Augenzucken durch Magnesiummangel?

Magnesiummangel Augen

Autorin: Katharina Heinz (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA), Ernährungsberaterin und Pharmazieökonomin)

Inhaltliche Qualitätssicherung: Dr. rer. nat. Till Schumacher (Apotheker)

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Ein plötzlich zuckendes Augenlid ist meist harmlos, kann aber auf Dauer unangenehm und störend sein. Häufig wird vermutet, dass ein Magnesiummangel hinter dem Augenzucken steckt. Schließlich spielt der Mineralstoff eine wichtige Rolle für die Funktion von Nerven und Muskeln. Doch ist diese weitverbreitete Annahme wissenschaftlich tatsächlich begründet?

Obwohl ein ausgeprägter Magnesiummangel Muskelzuckungen verursachen kann, ist der Zusammenhang mit gewöhnlichem Augenzucken bislang nicht eindeutig nachgewiesen. Welche Rolle Magnesium für die Augen spielt, ob ein Mangel weitere Augenbeschwerden hervorrufen kann und wann die Einnahme von Magnesium sinnvoll ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

30,20 €

30,20 € / 100 g

Produkt enthält: 100 g

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Magnesiummangel und Augenzucken?

Bei wiederkehrendem Augenzucken wird häufig ein Magnesiummangel als mögliche Ursache vermutet. Tatsächlich spielt Magnesium eine wichtige Rolle für die Funktion von Nerven und Muskeln. Ob eine unzureichende Magnesiumversorgung jedoch tatsächlich Augenzucken auslösen kann, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Um den möglichen Zusammenhang besser zu verstehen, lohnt sich sowohl ein Blick auf die physiologischen Vorgänge im Körper als auch auf die Ergebnisse bisheriger wissenschaftlicher Untersuchungen.

Der Einfluss von Magnesium auf die Nerven und Augenmuskeln

Magnesium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff, der zahlreiche Prozesse im menschlichen Körper unterstützt. Besonders wichtig ist seine Funktion bei der Übertragung von Nervenimpulsen und der Steuerung von Muskelbewegungen. Unter anderem beeinflusst Magnesium den Transport von Calcium und Kalium durch die Zellmembranen. Diese Vorgänge tragen dazu bei, dass Nervensignale kontrolliert weitergeleitet werden und sich Muskeln nach einer Anspannung wieder entspannen können.

Auch die Muskeln rund um die Augen sind auf eine funktionierende Reizübertragung angewiesen. Das betrifft insbesondere den Augenringmuskel (Musculus orbicularis oculi), der für das Schließen der Augenlider verantwortlich ist. Beim sogenannten Lidzucken beziehungsweise der Lidmyokymie kommt es zu feinen, unwillkürlichen Kontraktionen einzelner Muskelfasern. Diese äußern sich häufig als leichtes Flattern oder Zittern des oberen oder unteren Augenlids.

Sinkt der Magnesiumspiegel im Körper deutlich ab, kann sich die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen erhöhen. Dadurch können unkontrollierte Muskelaktivitäten entstehen, beispielsweise Muskelzuckungen, Zittern oder Krämpfe. Ein ausgeprägter Magnesiummangel kann somit grundsätzlich neuromuskuläre Beschwerden hervorrufen. Allerdings bedeutet dieser Mechanismus nicht automatisch, dass ein gewöhnliches Augenzucken durch einen Magnesiummangel verursacht wird.

Was sagen wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang?

Ob ein Magnesiummangel tatsächlich eine häufige Ursache für Augenzucken ist, wurde bislang nur in wenigen Untersuchungen gezielt erforscht. Eine 2021 im Korean Journal of Health Promotion veröffentlichte Studie verglich 72 Personen mit gutartigem Augenzucken mit einer Kontrollgruppe aus 197 Personen. Die Forschenden untersuchten unter anderem die Magnesiumkonzentration im Blut. Dabei zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Ergebnisse lieferten somit keinen Hinweis darauf, dass niedrige Magnesiumspiegel eine wesentliche Ursache für gewöhnliches Augenzucken darstellen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine 2024 veröffentlichte Untersuchung mit 103 Betroffenen und 103 gesunden Kontrollpersonen. Neben verschiedenen augenbezogenen Faktoren wurden auch die Blutkonzentrationen wichtiger Elektrolyte, darunter Magnesium, Calcium, Kalium und Natrium, analysiert. Auch hier ließen sich keine signifikanten Unterschiede der Magnesiumwerte zwischen Personen mit und ohne Augenzucken feststellen. Die Studie konnte somit ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen dem Magnesiumspiegel im Blut und dem Auftreten von Lidzucken nachweisen.

Allerdings besitzen beide Untersuchungen gewisse Einschränkungen. Sie waren vergleichsweise klein und erfassten die Magnesiumversorgung hauptsächlich über Blutuntersuchungen. Da sich nur ein geringer Teil des körpereigenen Magnesiums im Blut befindet, spiegeln die gemessenen Werte die Magnesiumreserven nicht immer zuverlässig wider. Zudem erlauben Beobachtungsstudien keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung. Nach der bisherigen Studienlage gibt es daher keine überzeugenden Belege dafür, dass ein Magnesiummangel eine häufige Ursache für gewöhnliches Augenzucken ist. Ein Zusammenhang in einzelnen Fällen, insbesondere bei einem ausgeprägten Mangel, lässt sich jedoch nicht grundsätzlich ausschließen.

Weitere Augenbeschwerden durch Magnesiummangel

Neben dem gewöhnlichen Augenzucken können bei einem ausgeprägten Magnesiummangel auch andere Störungen der Augenbewegungen auftreten. Diese sind allerdings deutlich seltener und betreffen vor allem Menschen mit einer schweren Unterversorgung. Dabei stehen weniger Veränderungen am Auge selbst als vielmehr neurologische Funktionsstörungen im Vordergrund, die sich auf die Bewegungskoordination der Augen auswirken können.

Eine mögliche Folge ist der sogenannte Nystagmus (Augenzittern). Dabei bewegen sich die Augäpfel unwillkürlich und wiederholt in eine bestimmte Richtung, beispielsweise horizontal oder vertikal. Besonders der vertikale Nystagmus, bei dem die Augen wiederholt nach unten schlagen, wurde in medizinischen Fallberichten mit einem schweren Magnesiummangel in Verbindung gebracht. Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit beschreibt entsprechende Augenbewegungsstörungen bei Patienten mit ausgeprägter Hypomagnesiämie.

Infolge solcher Augenbewegungsstörungen können weitere Sehbeschwerden entstehen. Dazu gehören insbesondere Scheinbewegungen der Umgebung (Oszillopsien), bei denen Betroffene den Eindruck haben, dass Gegenstände im Blickfeld zittern oder schwanken. Gelegentlich werden auch verschwommenes Sehen oder Doppelbilder beschrieben. Diese Beschwerden entstehen nicht zwangsläufig durch eine direkte Schädigung des Auges, sondern können auf die gestörte Koordination der Augenbewegungen zurückzuführen sein.

Für andere häufig auftretende Augenbeschwerden, beispielsweise Augenflimmern, Augenbrennen oder trockene Augen, ist ein Magnesiummangel dagegen nicht als typische direkte Ursache nachgewiesen. Zwar gibt es einzelne Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zwischen der Magnesiumaufnahme und trockenen Augen untersuchten. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass ein Magnesiummangel solche Beschwerden unmittelbar verursacht. Insgesamt sind die wissenschaftlich beschriebenen Augenbewegungsstörungen vor allem bei schweren Mangelzuständen relevant und sollten nicht mit alltäglichen, unspezifischen Augenbeschwerden gleichgesetzt werden.

Hilft Magnesium gegen Augenzucken?

Ob Magnesium gegen Augenzucken hilft, hängt vor allem davon ab, ob tatsächlich ein Magnesiummangel vorliegt. Bei einer nachgewiesenen Unterversorgung kann es sinnvoll sein, die Magnesiumzufuhr gezielt zu erhöhen. Ist das Augenzucken auf einen Magnesiummangel zurückzuführen, kann dessen Behandlung möglicherweise auch die Muskelzuckungen lindern. Für eine zuverlässige Wirkung von Magnesium bei gewöhnlichem Lidzucken gibt es jedoch bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.

Besteht kein Magnesiummangel, ist dagegen kein zusätzlicher Nutzen durch die Einnahme von Magnesiumpräparaten nachgewiesen. Wer bereits ausreichend mit dem Mineralstoff versorgt ist, kann deshalb nicht davon ausgehen, dass sich das Augenzucken durch eine höhere Magnesiumzufuhr bessert. Zudem verschwindet gewöhnliches Lidzucken häufig innerhalb weniger Tage oder Wochen von selbst. Eine Besserung nach der Einnahme eines Magnesiumpräparats bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass zuvor ein Mangel bestanden hat.

Bei einem vermuteten Magnesiummangel empfiehlt es sich, zunächst die persönliche Magnesiumversorgung zu überprüfen. Dabei können die Ernährungsgewohnheiten, mögliche Risikofaktoren und gegebenenfalls eine ärztliche Blutuntersuchung berücksichtigt werden. Liegt tatsächlich ein Mangel vor, kann dieser je nach Ausprägung durch eine magnesiumreiche Ernährung oder eine gezielte Supplementierung ausgeglichen werden. Wie schnell ein möglicherweise magnesiumbedingtes Augenzucken anschließend verschwindet, lässt sich nicht allgemein vorhersagen. Aussagekräftige Studien zur Wirkdauer von Magnesium bei Lidzucken fehlen bislang.

Von einer eigenständigen Einnahme hoch dosierter Magnesiumpräparate allein aufgrund von Augenzucken ist abzuraten. Eine übermäßige Magnesiumzufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel kann insbesondere Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe verursachen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion besteht zudem ein erhöhtes Risiko für eine Magnesiumüberdosierung. Daher sollte die Dosierung insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder einer längerfristigen Einnahme ärztlich abgestimmt werden.

30,20 €

30,20 € / 100 g

Produkt enthält: 100 g

Wann sollte Augenzucken ärztlich abgeklärt werden?

Gelegentliches Augenzucken ist in den meisten Fällen harmlos und verschwindet innerhalb weniger Tage von selbst. Eine ärztliche Untersuchung ist daher nicht bei jedem Zucken des Augenlids erforderlich. Hält das Augenzucken jedoch länger als zwei Wochen an, tritt es zunehmend häufiger auf oder verstärkt sich deutlich, empfiehlt sich eine Abklärung beim Hausarzt oder Augenarzt. Das gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden wiederholt auftreten und sich keine erkennbare Besserung einstellt.

Darüber hinaus gibt es bestimmte Begleiterscheinungen, bei denen eine medizinische Untersuchung sinnvoll ist. Dazu gehören insbesondere:

  • Unwillkürliches Schließen des Augenlids: Das Augenlid zieht sich beim Zucken vollständig zusammen oder lässt sich nur schwer wieder öffnen.
  • Zuckungen in anderen Gesichtsbereichen: Die unkontrollierten Muskelbewegungen betreffen zusätzlich beispielsweise die Wange oder den Mundwinkel.
  • Veränderungen am Augenlid: Das obere Augenlid hängt auffällig herab oder die Muskulatur fühlt sich ungewöhnlich schwach beziehungsweise steif an.
  • Zusätzliche Augenbeschwerden: Das Augenzucken wird von Rötungen, Schwellungen oder ungewöhnlichem Augenausfluss begleitet.

Treten plötzlich eine deutliche Sehverschlechterung, ein herabhängendes Augenlid oder neurologische Ausfälle wie eine einseitige Gesichtslähmung auf, sollte unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Solche Beschwerden sind nicht typisch für gewöhnliches Lidzucken und können auf andere Erkrankungen hinweisen.

Fazit

Ein Magnesiummangel kann die Funktion von Nerven und Muskeln beeinträchtigen und dadurch unwillkürliche Muskelzuckungen begünstigen. Ob ein Magnesiummangel auch eine häufige Ursache für Augenzucken ist, konnte wissenschaftlich bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. Bisherige Untersuchungen fanden keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen niedrigen Magnesiumwerten im Blut und dem Auftreten von gewöhnlichem Lidzucken.

Die Einnahme von Magnesium kann sinnvoll sein, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt. Ohne nachgewiesenen Magnesiummangel ist eine Wirkung von Magnesiumpräparaten gegen Augenzucken hingegen nicht ausreichend belegt. Hält das Augenzucken länger an, verstärkt es sich oder treten zusätzliche Beschwerden auf, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, um mögliche Ursachen gezielt zu untersuchen.

Häufig gestellte Fragen

Kann Augenzucken auch ohne Magnesiummangel auftreten?

Ja, Augenzucken tritt häufig auch ohne einen Magnesiummangel auf. Das sogenannte Lidzucken (Lidmyokymie) ist in den meisten Fällen harmlos und kann beispielsweise durch Stress, Schlafmangel, übermäßigen Koffeinkonsum oder eine längere Bildschirmarbeit begünstigt werden. Ein niedriger Magnesiumspiegel ist daher keineswegs eine Voraussetzung für das Auftreten der Beschwerden.

Kann ein Magnesiummangel nur an einem Auge Zucken auslösen?

Ein möglicher Zusammenhang zwischen einem Magnesiummangel und einseitigem Augenzucken lässt sich nicht grundsätzlich ausschließen. Allerdings gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein Magnesiummangel gezielt Zuckungen an nur einem Auge verursacht. Einseitiges Lidzucken ist auch bei Menschen mit normaler Magnesiumversorgung weit verbreitet.

Kann Augenzucken trotz der Einnahme von Magnesium auftreten?

Ja, Augenzucken kann auch dann auftreten, wenn regelmäßig Magnesium eingenommen wird. Da gewöhnliches Lidzucken häufig nicht mit einem Magnesiummangel zusammenhängt, lässt es sich durch Magnesiumpräparate nicht zuverlässig verhindern. Auch eine ausreichende Magnesiumversorgung schließt unwillkürliche Zuckungen der Augenlider nicht aus.

Quellen und Studien

  1. Kim J. et al. (2021): Will Hypomagnesemia Induce Benign Eyelid Myokymia? Korean Journal of Health Promotion, 21(4), 129–133.
  2. Gunes I. B. (2024): Association Between Eyelid Twitching and Digital Screen Time, Uncorrected Refractive Error, Intraocular Pressure, and Blood Electrolyte Imbalances. Cureus, 16(9), e69249.
  3. Ray S., Park K. W. (2023): Movement Disorders and Other Neurologic Impairment Associated With Hypomagnesemia: A Systematic Review. Neurology: Clinical Practice, 13(6), e200202.
  4. Kim J.-M., Choi Y.-J. (2024): Impact of Dietary Nutrients on the Prevalence of Dry Eye Syndrome among Korean Women Aged 40 and above. Nutrients, 16(3), 372.
  5. National Institutes of Health (NIH): Magnesium – Health Professional Fact Sheet. Office of Dietary Supplements.
  6. Cleveland Clinic: Myokymia: What It Is, Causes, Symptoms & Treatments. Medizinisch geprüfter Fachartikel.
  7. National Health Service (NHS): Twitching Eyes and Muscles. Informationen zu Symptomen und ärztlicher Abklärung.

Vertrag widerrufen

Diese Seite verwendet Cookies für ein besseres Surferlebnis. Durch das Browsen auf dieser Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos