Morbus Basedow

Schilddrüsenüberfunktion

Inhaltliche QualitätssicherungDr. rer. nat. Till Schumacher (Apotheker)

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Wenn die Schilddrüse zu viele Hormone produziert, kann sich das auf zahlreiche Bereiche des Körpers auswirken. Morbus Basedow ist eine mögliche Ursache für eine solche Schilddrüsenüberfunktion und kann mit Beschwerden einhergehen, die von Nervosität und Schlafproblemen bis hin zu Augenveränderungen reichen. Für Betroffene ist es daher oft nicht leicht, die Symptome richtig einzuordnen.

Umso wichtiger ist ein verständlicher Überblick über die Hintergründe. Im nachfolgenden Beitrag gehen wir darauf ein was Morbus Basedow ist, welche Ursachen hinter der Erkrankung stehen können, welche Symptome typisch sind, wie die Diagnostik erfolgt und welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.

Was ist Morbus Basedow?

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die typischerweise mit einer Schilddrüsenüberfunktion einhergeht. Hierbei bildet das körpereigene Immunsystem irrtümlicherweise Antikörper, die die Schilddrüse zu einer erhöhten Hormonproduktion anregen. Konkret richten sich die Antikörper gegen den sogenannten TSH-Rezeptor der in der Regel an der Regulation der Schilddrüsenfunktion beteiligt ist. Im Fall von Morbus Basedow führen die Antikörper dazu, dass die Schilddrüse dauerhaft stimuliert wird und dadurch vermehrt Hormone ausschüttet.

Zu berücksichtigen ist, dass sich die Erkrankung nicht immer nur auf die Schilddrüse beschränkt. Bei einem Teil der Betroffenen treten zusätzlich Veränderungen im Bereich der Augen auf, die als endokrine Orbitopathie bezeichnet werden.

Morbus Basedow: Ursachen

Die Entstehung des Morbus Basedow ist auf eine Störung der Immunregulation zurückzuführen. Das Immunsystem bildet Antikörper, die an den TSH-Rezeptor der Schilddrüse binden und diesen stimulieren. Dadurch wird die Schilddrüse fortlaufend zur Hormonproduktion angeregt, obwohl aus biologischer Sicht kein entsprechender Bedarf besteht. Die krankhafte Hormonüberproduktion ist somit die Folge einer fehlgesteuerten Immunreaktion.

Warum sich eine solche Autoimmunreaktion entwickelt, lässt sich nicht auf einen einzelnen Auslöser reduzieren. Nach heutigem Verständnis handelt es sich vielmehr um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem mehrere Einflüsse zusammenwirken. Eine genetische Veranlagung scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Darauf deutet unter anderem hin, dass Autoimmunerkrankungen in manchen Familien gehäuft auftreten und Betroffene nicht selten auch eine erhöhte Anfälligkeit für andere immunologisch vermittelte Erkrankungen aufweisen.

Neben der erblichen Komponente werden auch äußere und individuelle Einflussfaktoren diskutiert, die das Auftreten oder Ausbrechen der Erkrankung begünstigen können. Hierzu zählen insbesondere Rauchen, hormonelle Umstellungen, psychische Belastungen sowie möglicherweise bestimmte Infektionen. Hervorzuheben ist, dass insbesondere das Rauchen als bedeutsamer Risikofaktor gilt.

Auch eine Jodzufuhr kann im Zusammenhang mit einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion eine Rolle spielen. Jod ist zwar grundsätzlich ein notwendiger Bestandteil zur Schilddrüsenhormonbildung, kann aber bei entsprechender Veranlagung oder bereits bestehender Überfunktion problematisch sein.

Morbus Basedow: Symptome

Die Beschwerden bei Morbus Basedow können sehr unterschiedlich ausfallen. Das liegt vor allem daran, dass die Erkrankung nicht nur die Schilddrüse betrifft, sondern über die gesteigerte Hormonwirkung zahlreiche Prozesse im Körper beeinflussen kann. Wie deutlich die Symptome auftreten, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Schilddrüsenüberfunktion ist, wie lange sie bereits besteht und ob zusätzlich eine Vergrößerung der Schilddrüse oder eine Augenbeteiligung vorliegt.

Typisch ist, dass die Symptome zunächst schleichend beginnen und unspezifisch wirken. Viele Betroffene bemerken anfangs eher innere Unruhe, Schlafprobleme, Herzklopfen oder eine ungewöhnliche Wärmeempfindlichkeit, ohne diese Symptome sofort mit der Schilddrüse in Verbindung zu bringen. Zur besseren Einordnung der Symptome gliedern wir diese nachfolgend nach den drei häufigen Erscheinungsbereichen: Symptome der Überfunktion, Beschwerden durch eine vergrößerte Schilddrüse und Veränderungen an den Augen.

Symptome der Schilddrüsenüberfunktion

Die meisten Beschwerden bei Morbus Basedow sind auf die gesteigerte Wirkung der Schilddrüsenhormone zurückzuführen. Da der Stoffwechsel gewissermaßen unter erhöhtem Antrieb steht, zeigen sich häufig Symptome die viele Organsysteme betreffen können.

Zu den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion gehören unter anderem:

  • Herzklopfen, beschleunigter oder unregelmäßiger Puls,
  • innere Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit,
  • Zittern der Hände,
  • Schlafstörungen,
  • Gewichtsverlust trotz normalem oder gesteigertem Appetit,
  • vermehrtes Schwitzen und Wärmeintoleranz,
  • Muskelschwäche und verminderte Belastbarkeit,
  • häufigerer Stuhlgang oder Durchfall.

Symptome der Schilddrüsenvergrößerung (Struma)

Morbus Basedow kann mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergehen. Eine solche Struma führt nicht zwangsläufig sofort zu deutlichen Beschwerden, kann aber äußerlich als Schwellung im vorderen Halsbereich auffallen. Das Ausmaß der Vergrößerung sagt dabei nicht immer etwas über die Stärke der Überfunktion aus.

Mögliche Beschwerden bei einer vergrößerten Schilddrüse sind zum Beispiel:

  • sichtbare oder tastbare Schwellung am Hals,
  • Druck- oder Engegefühl im Halsbereich,
  • Schluckbeschwerden oder Kloßgefühl im Hals.

In vielen Fällen steht die Struma jedoch nicht im Vordergrund der Erkrankung, sondern wird eher als Begleitbefund wahrgenommen. Für den Verlauf der Erkrankung ist deshalb nicht nur entscheidend, ob die Schilddrüse vergrößert ist, sondern vor allem, wie ausgeprägt die hormonelle Überfunktion und die übrigen Beschwerden sind.

Symptome der Augen (endokrine Orbitopathie)

Eine Besonderheit des Morbus Basedow besteht darin, dass bei einem Teil der Betroffenen auch die Augen beteiligt sein können. Diese Form der Augenbeteiligung wird als endokrine Orbitopathie beziehungsweise thyroid eye disease bezeichnet. Sie kann mild verlaufen, in einzelnen Fällen aber auch deutlich belastend sein und das Sehvermögen beeinträchtigen. Nach aktuellen Erkenntnissen entwickelt etwa ein Drittel der Betroffenen Augensymptome.

Typische Beschwerden im Bereich der Augen sind:

  • trockene, gereizte oder sandkornartig kratzende Augen,
  • Lichtempfindlichkeit,
  • tränende oder gerötete Augen,
  • geschwollene oder gerötete Lider,
  • Druckgefühl oder Schmerzen hinter den Augen beziehungsweise bei Augenbewegungen,
  • hervortretende Augen,
  • Doppelbilder oder verschwommenes Sehen.

Augenbeschwerden sollten bei Morbus Basedow besonders ernst genommen werden. Verändert sich das Sehen, treten Doppelbilder auf oder verschlechtern sich die Beschwerden deutlich, ist eine zeitnahe und gezielte ärztliche Abklärung wichtig.

Morbus Basedow: Diagnostik

Die Diagnostik bei Morbus Basedow verfolgt zwei Ziele: Zum einen muss festgestellt werden, ob tatsächlich eine Schilddrüsenüberfunktion vorliegt, zum anderen geht es darum, die Ursache ausfindig zu machen.

Welche konkreten Untersuchungen im Einzelfall notwendig sind, hängt von den Beschwerden und vom bisherigen Befund ab. Bei einigen Betroffenen lässt sich die Diagnose bereits aus der Kombination der Symptomatik, auffälligen Schilddrüsenwerten und nachweisbaren Antikörpern stellen. In anderen Fällen sind zusätzliche Untersuchungen sinnvoll, um Morbus Basedow von anderen Ursachen einer Überfunktion, etwa autonomen Schilddrüsenknoten oder einer Hashimoto Thyreoiditis, abzugrenzen. Bei Augenbeschwerden kommt zudem eine augenärztliche Mitbeurteilung hinzu.

Anamnese

Am Beginn der Diagnostik steht das ärztliche Gespräch. Dabei wird erfasst, welche Beschwerden bestehen, seit wann sie auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind. Typische Hinweise können Herzklopfen, innere Unruhe, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Zittern, Wärmeintoleranz oder eine Schwellung am Hals sein. Auch Augenbeschwerden wie Trockenheit, Druckgefühl, Lichtempfindlichkeit oder Doppelbilder sind für die weitere Einordnung wichtig.

Darüber hinaus spielt die Vorgeschichte des Patienten eine Rolle. Ärztlich relevant sind etwa frühere Schilddrüsenerkrankungen, bekannte Autoimmunerkrankungen, ähnliche Erkrankungen in der Familie sowie die Einnahme bestimmter Medikamente oder jodhaltiger Präparate. Die Anamnese allein reicht zwar nicht aus, um Morbus Basedow sicher zu diagnostizieren, sie liefert aber häufig schon entscheidende Hinweise darauf, welche weiteren Untersuchungen gezielt veranlasst werden sollten.

Blutwerte

Die Blutuntersuchung stellt einen zentralen Bestandteil der Diagnostik dar. Zunächst wird geprüft, ob eine Schilddrüsenüberfunktion vorliegt. Typischerweise ist dabei der TSH-Wert erniedrigt, während die Schilddrüsenhormone fT4 und gegebenenfalls fT3 erhöht sind. Diese Konstellation zeigt an, dass die Schilddrüse überaktiv ist, sagt für sich genommen aber noch nicht sicher aus, welche Ursache dahintersteht.

Für die Diagnose des Morbus Basedow sind deshalb insbesondere Antikörper gegen den TSH-Rezeptor von Bedeutung, die je nach Labor als TRAb, TRAK oder TSI bezeichnet werden. Sind diese Antikörper nachweisbar, stützt das die Diagnose deutlich; ein negativer Befund schließt Morbus Basedow allerdings nicht in jedem Fall vollständig aus, sodass dann je nach Situation weitere Untersuchungen erforderlich sein können.

Ultraschall

Der Ultraschall dient dazu, die Schilddrüse in ihrer Größe, Struktur und Form zu beurteilen. Dabei lässt sich erkennen, ob die Schilddrüse vergrößert ist und ob Knoten oder andere strukturelle Auffälligkeiten bestehen. Gerade weil eine Schilddrüsenüberfunktion unterschiedliche Ursachen haben kann, ist ein Ultraschall wichtig, um andere Veränderungen der Schilddrüse frühzeitig zu erkennen.

Zudem kann im Ultraschall die Durchblutung der Schilddrüse beurteilt werden, etwa mittels Doppler-Untersuchung. Beim Morbus Basedow zeigt sich dabei oft eine vermehrte Durchblutung. Das kann die Verdachtsdiagnose unterstützen, insbesondere dann, wenn eine nuklearmedizinische Untersuchung nicht infrage kommt oder vermieden werden soll, etwa in der Schwangerschaft oder Stillzeit.

Szintigrafie

Die Szintigrafie hilft dabei, die Ursache der Überfunktion einzuordnen. Dabei wird sichtbar gemacht, wie sich ein radioaktiver Tracer beziehungsweise Jod in der Schilddrüse verteilt. Beim Morbus Basedow zeigt sich typischerweise eine diffuse Aktivität der gesamten Schilddrüse, während sich bei autonomen Knoten eher umschriebene überaktive Bereiche darstellen. Gerade wenn die Ursache einer Hyperthyreose nicht eindeutig ist, ermöglicht die Szintigrafie eine Abgrenzung der Ursache.

Häufig wird die Szintigrafie mit einem Uptake-Test kombiniert. Dabei wird gemessen, wie viel Jod die Schilddrüse aufnimmt. Eine deutlich erhöhte Jodaufnahme spricht für Morbus Basedow oder für hormonproduzierende Knoten. Wichtig ist allerdings, dass solche nuklearmedizinischen Untersuchungen in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht durchgeführt werden sollten.

Augenärztliche Untersuchung bei Orbitopathie

Besteht der Verdacht auf eine endokrine Orbitopathie, ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll bzw. notwendig. Denn die Augenbeteiligung kann eigenständig verlaufen und in ihrer Ausprägung von milden Reizerscheinungen bis hin zu funktionell relevanten Sehstörungen reichen. Eine augenärztliche Mitbeurteilung ist insbesondere wichtig, wenn Doppelbilder, eine Verschlechterung des Sehens, Schmerzen bei Augenbewegungen oder auffällige Veränderungen der Augenstellung auftreten.

Im Rahmen der Untersuchung werden unter anderem die Stellung der Augen, das Ausmaß eines möglichen Hervortretens, die Lidverhältnisse und die Beweglichkeit der Augen beurteilt. Je nach Befund können außerdem das Gesichtsfeld und das Farbsehen geprüft werden. In unklaren oder ausgeprägteren Fällen kommen zusätzlich bildgebende Verfahren wie CT oder MRT der Augenhöhlen in Betracht. Auf diese Weise lässt sich besser einschätzen, wie aktiv und wie schwer die Orbitopathie ausgeprägt ist.

Gerade bei Veränderungen des Farbsehens, Gesichtsfeldausfällen oder anderen Hinweisen auf eine ernstere Augenbeteiligung sollte die Abklärung zügig erfolgen. Der Grund dafür ist, dass in seltenen Fällen auch das Sehvermögen bedroht sein kann. Die augenärztliche Untersuchung ist deshalb nicht nur eine ergänzende Maßnahme, sondern bei entsprechender Symptomatik ein wichtiger Teil der Gesamtdiagnostik des Morbus Basedow.

Morbus Basedow: Behandlung

Die Behandlung des Morbus Basedow zielt in erster Linie darauf ab, die Schilddrüsenüberfunktion in den Griff zu bekommen und die dadurch verursachten Beschwerden zu lindern. Gleichzeitig geht es darum, Komplikationen zu verhindern und die Therapieform zu wählen, die zur jeweiligen Erkrankungssituation passt. Hierfür stehen im Wesentlichen drei Behandlungswege zur Verfügung: die medikamentöse Therapie mit Thyreostatika, die Radiojodtherapie und die operative Entfernung der Schilddrüse. Welche dieser Optionen für den jeweiligen Einzelfall am besten geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter, vom allgemeinen Gesundheitszustand, von der Größe der Schilddrüse, von einer möglichen Augenbeteiligung sowie von dem bisherigen Krankheitsverlauf ab.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung ist häufig der erste Therapieschritt bei Morbus Basedow. Zum Einsatz kommen sogenannte Thyreostatika, also Medikamente, die die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Dadurch lässt sich die Überfunktion in vielen Fällen innerhalb von Wochen kontrollieren. Ergänzend werden zu Beginn oft Betablocker eingesetzt, um typische Beschwerden wie Herzrasen, Zittern oder innere Unruhe rascher zu lindern. Diese Medikamente behandeln jedoch nicht die Ursache der Erkrankung, sondern die vorhandenen Symptome.

Ein Vorteil der medikamentösen Therapie besteht darin, dass sie keine definitive Zerstörung oder Entfernung der Schilddrüse erfordert. Sie kann deshalb besonders dann sinnvoll sein, wenn zunächst ein schonender Behandlungsansatz gewählt werden soll. Bleiben TSH und die Antikörperwerte im Verlauf der Behandlung unauffällig, kann nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ggf. ein Auslassversuch erwogen werden.

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie ist eine bewährte Behandlungsform bei einer Schilddrüsenüberfunktion und kommt auch bei Morbus Basedow infrage. Dabei wird radioaktives Jod in Form einer Kapsel oder Flüssigkeit eingenommen. Da Schilddrüsenzellen Jod gezielt aufnehmen, gelangt die Substanz bevorzugt in die überaktive Schilddrüse und zerstört dort nach und nach einen Teil des hormonproduzierenden Gewebes.

Ein wesentlicher Punkt bei der Radiojodtherapie ist, dass sie häufig in eine dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion übergeht. Das ist bei Morbus Basedow oft Teil des therapeutischen Ziels, weil sich die Hormonlage dadurch langfristig zuverlässig kontrollieren lässt. Wenn eine Unterfunktion entsteht, wird sie mit Levothyroxin behandelt.

Nicht in jeder Situation ist die Radiojodtherapie gleichermaßen geeignet: Sie sollte in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden. Außerdem kann sie eine bestehende endokrine Orbitopathie verschlechtern oder ungünstig beeinflussen, weshalb bei Augenbeteiligung besonders sorgfältig abgewogen werden muss, ob diese Behandlung die richtige Wahl ist. Hinzu kommt, dass nach der Behandlung vorübergehend bestimmte Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit anderen Menschen notwendig sein können, insbesondere gegenüber Schwangeren und kleinen Kindern.

Schilddrüsenoperation

Die operative Behandlung besteht bei Morbus Basedow in der Regel in einer Thyreoidektomie, also der Entfernung der Schilddrüse. Sie kommt insbesondere dann in Betracht, wenn eine schnelle und definitive Therapie gewünscht ist, wenn die Schilddrüse deutlich vergrößert ist, wenn Knoten mit Abklärungsbedarf bestehen oder wenn Medikamente nicht vertragen werden beziehungsweise keine ausreichende Kontrolle ermöglichen. Auch bei ausgeprägter Augenbeteiligung kann eine Operation im Einzelfall eine sinnvolle Option sein.

Vor einer Operation muss die Überfunktion möglichst gut eingestellt werden, damit der Eingriff sicher durchgeführt werden kann. Dazu werden in der Regel Thyreostatika und bei Bedarf Betablocker eingesetzt; manchmal kommen zusätzlich vorübergehend Jodlösungen zum Einsatz. Der Eingriff selbst gilt in erfahrenen Händen als sichere Behandlungsmethode. Gerade bei Morbus Basedow ist es jedoch besonders wichtig, dass die Operation von einem geübten, auf Schilddrüsenchirurgie spezialisierten Operateur durchgeführt wird, weil sich dadurch das Risiko von Komplikationen senken lässt.

Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen aber auch hier Risiken. Dazu gehören insbesondere Verletzungen der Nerven, die für die Stimmbandfunktion wichtig sind, sowie eine Beeinträchtigung der Nebenschilddrüsen, was zu Störungen des Kalziumhaushalts führen kann. Nach vollständiger Entfernung der Schilddrüse ist anschließend eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Ist Morbus Basedow heilbar?

Morbus Basedow ist nicht immer im engeren Sinne „heilbar“, aber in vielen Fällen gut behandelbar und häufig auch kontrollierbar. Unter einer Therapie mit Thyreostatika kann es zu einer Remission kommen, also zu einer Phase, in der die Erkrankung nicht mehr aktiv ist und die Medikamente abgesetzt werden können.

Kommt es nach einer medikamentösen Behandlung zu einem Rückfall oder besteht die Überfunktion fort, stehen mit der Radiojodtherapie oder einer Operation zwei definitive Behandlungsformen zur Verfügung. Diese führen in der Regel allerdings in eine Schilddrüsenunterfunktion, sodass anschließend dauerhaft Schilddrüsenhormone eingenommen werden müssen.

Ist Morbus Basedow gefährlich?

Unbehandelt kann Morbus Basedow durchaus gefährlich sein. Zu den möglichen Komplikationen zählen ein schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, der wiederum Blutgerinnsel, Schlaganfälle oder Herzprobleme begünstigen kann. Zudem können Knochenschwund, Muskelschwäche sowie Probleme rund um Zyklus, Fruchtbarkeit und Schwangerschaft auftreten.

Hinzu kommt, dass Morbus Basedow die Augen betreffen kann und dann Beschwerden bis hin zu Sehstörungen verursachen kann. In seltenen Fällen kann sich aus einer schweren, entgleisten Überfunktion auch eine thyreotoxische Krise entwickeln, die lebensbedrohlich sein kann. Mit rechtzeitiger Diagnostik und passender Behandlung ist die Erkrankung jedoch in der Regel gut kontrollierbar.

Wie ist die Lebenserwartung mit Morbus Basedow?

Eine pauschal verkürzte Lebenserwartung lässt sich für gut behandelte Verläufe nicht sinnvoll annehmen. Maßgeblich ist vielmehr, ob die Schilddrüsenüberfunktion rasch erkannt, konsequent behandelt und im Verlauf kontrolliert wird. Dass Morbus Basedow im Allgemeinen kontrollierbar und sicher behandelbar ist, spricht dafür, dass die Prognose bei adäquater Therapie häufig gut ist. Diese Einordnung ist allerdings eine medizinische Ableitung aus den verfügbaren Behandlungs- und Komplikationsdaten.

Wirkt sich Morbus Basedow auf die Psyche aus?

Ja, Morbus Basedow kann sich auch auf das psychische Befinden auswirken. Gerade in Phasen ausgeprägter Überfunktion fühlen sich viele Betroffene innerlich unruhig, angespannt oder emotional weniger belastbar.

Hinzu kommt, dass eine chronische Erkrankung auch unabhängig von den Hormonwerten psychisch belastend sein kann. Bessern sich die Schilddrüsenwerte unter der Behandlung, gehen häufig auch psychosomatische Symptome zurück. Halten psychische Beschwerden dennoch an, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.

Hilft Vitamin D bei Morbus Basedow?

Vitamin D gehört nicht zu den etablierten Standardtherapien des Morbus Basedow. In den offiziellen Behandlungsübersichten stehen vielmehr Thyreostatika, Radiojodtherapie und Operation im Vordergrund. Einzelne Studien und Übersichtsarbeiten beschäftigen sich zwar mit einem möglichen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und Morbus Basedow, daraus lässt sich derzeit aber keine gesicherte Standardempfehlung für die Behandlung ableiten.

Deshalb sollte Vitamin D als Begleitfaktor und nicht als eigentliche Therapie der Erkrankung verstanden werden. Liegt ein nachgewiesener Vitamin-D-Mangel vor, ist dessen Behandlung medizinisch sinnvoll. Als Ersatz für die reguläre Behandlung des Morbus Basedow ist Vitamin D jedoch nicht geeignet.

Ist Morbus Basedow das gleiche wie Hashimoto?

Nein, Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis sind nicht das Gleiche. Beide Erkrankungen gehören zwar zu den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, verlaufen aber unterschiedlich. Beim Morbus Basedow führen Antikörper dazu, dass die Schilddrüse übermäßig stimuliert wird und zu viele Hormone bildet. Bei Hashimoto kommt es dagegen zu einer entzündlich bedingten Schädigung des Schilddrüsengewebes, die langfristig häufiger in eine Unterfunktion mündet.

Auch wenn sich beide Erkrankungen in einzelnen Punkten überschneiden können, etwa durch eine vergrößerte Schilddrüse oder das Vorliegen von Antikörpern, unterscheiden sie sich in Ursache, Hormonlage und Behandlung. Vereinfacht gesagt steht bei Morbus Basedow meist die Überfunktion im Vordergrund, bei Hashimoto langfristig eher die Unterfunktion.

Sollte man bei Morbus Basedow Jod einnehmen?

Jod ist grundsätzlich ein wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormonbildung. Bei Morbus Basedow kann eine zu hohe Jodzufuhr jedoch problematisch sein, weil große Mengen Jod eine Überfunktion auslösen oder verschlechtern können. Das gilt insbesondere für Jodpräparate, Algenprodukte oder andere stark jodhaltige Produkte. Entsprechend sollte Jod bei Morbus Basedow nicht unkritisch in Eigenregie eingenommen werden.

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