Prädiabetes

Diabetes

Autorin: Katharina Heinz (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA), Ernährungsberaterin und Pharmazieökonomin)

Inhaltliche Qualitätssicherung: Dr. rer. nat. Till Schumacher (Apotheker)

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Prädiabetes ist ein häufiges, aber oft unbemerktes Warnsignal: Der Blutzucker liegt bereits über dem Normalbereich, ohne dass schon ein Diabetes vorliegt. Gerade weil Betroffene meist keine Beschwerden spüren, wird Prädiabetes oft zufällig entdeckt – und damit in einem Moment, in dem sich noch viel beeinflussen lässt. Im nachfolgenden Beitrag erfährst du was Prädiabetes ist, was die Ursachen sind, welche Symptome auftreten, wie Prädiabetes erkannt und behandelt wird.

Prädiabetes: Auf einen Blick

Was ist Prädiabetes?

Prädiabetes bedeutet, dass die Blutzuckerwerte bereits erhöht sind, aber noch nicht im Bereich eines Diabetes mellitus Typ 2 liegen. Häufig ist er ein frühes Warnsignal für eine Insulinresistenz.

Typische Beschwerden

Prädiabetes verursacht meist keine spürbaren Symptome. Möglich sind unspezifische Hinweise wie Müdigkeit, Leistungstief, starker Durst, häufiges Wasserlassen, verschwommenes Sehen oder schlechtere Wundheilung.

Wichtige Risikofaktoren

Übergewicht, besonders Bauchfett, Bewegungsmangel, familiäre Vorbelastung, höheres Alter, Bluthochdruck, ungünstige Blutfette, Schlafapnoe, Schwangerschaftsdiabetes und Rauchen erhöhen das Risiko.

Was hilft häufig?

Regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, ballaststoffreiche Ernährung, weniger zuckerhaltige Getränke, ausreichend Schlaf und die Behandlung von Blutdruck, Blutfetten und weiteren Risikofaktoren.

Wann zum Arzt?

Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn Blutzuckerwerte erhöht sind oder Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes bestehen. Da Prädiabetes meist keine eindeutigen Beschwerden verursacht, sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig, wenn Übergewicht, Bluthochdruck, familiäre Vorbelastung, Schwangerschaftsdiabetes oder auffällige Blutfette vorliegen.

  • bei erhöhtem Nüchternblutzucker, auffälligem HbA1c oder auffälligem oGTT
  • bei starkem Durst, häufigem Wasserlassen oder verschwommenem Sehen
  • bei Müdigkeit, Leistungstief oder Konzentrationsproblemen ohne klare Ursache
  • bei Übergewicht, insbesondere bei vermehrtem Bauchfett
  • bei Bluthochdruck, erhöhten Triglyceriden oder niedrigem HDL-Cholesterin
  • bei früherem Schwangerschaftsdiabetes oder Geburt eines sehr großen Kindes
  • bei dunkleren, samtigen Hautverfärbungen an Nacken, Achseln oder Leisten
  • bei wiederkehrenden Infektionen oder schlechter Wundheilung
  • wenn trotz Lebensstiländerungen die Werte weiter steigen

Sofortige medizinische Hilfe ist wichtig bei starker Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Verwirrtheit, Atemnot, ausgeprägter Schwäche, starkem Durst, Austrocknung oder Bewusstseinsstörungen. Solche Beschwerden können auf eine schwere Stoffwechselentgleisung hinweisen und sollten nicht abgewartet werden.

Was ist Prädiabetes?

Prädiabetes bezeichnet ein Vorstadium des Diabetes mellitus (meist Typ 2): Die Blutzuckerwerte sind dauerhaft erhöht, aber noch nicht hoch genug, um die Kriterien für einen manifesten Diabetes zu erfüllen. Fachlich wird dabei oft von einer Zwischenstufe zwischen normalem Zuckerstoffwechsel und Diabetes gesprochen.

Typisch für Prädiabetes ist, dass Auffälligkeiten je nach Messmethode sichtbar werden können: zum Beispiel als erhöhter Nüchternblutzucker oder als gestörte Glukosetoleranz nach einem Zuckerbelastungstest. Teilweise wird außerdem der Langzeitblutzucker (HbA1c) mit für eine Einordnung berücksichtigt.

Wichtig ist: „Prä“ bedeutet nicht „harmlos“! Prädiabetes geht mit einem erhöhten Risiko einher, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln – und auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht. Gleichzeitig ist Prädiabetes oft ein guter Zeitpunkt zum Gegensteuern, weil sich die Stoffwechsellage durch passende Maßnahmen häufig wieder verbessern kann.

Prädiabetes: Ursachen

Prädiabetes entsteht in der Regel, weil das körpereigene Insulin nicht mehr ausreichend wirkt: Die Körperzellen – vor allem in Muskeln, Fettgewebe und Leber – reagieren schlechter auf Insulin. Der Körper versucht dies zunächst auszugleichen, indem die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Mit der Zeit reicht diese Mehrproduktion jedoch nicht mehr aus, und der Blutzucker steigt in den prädiabetischen Bereich.

Besonders viszerales Fett (Bauchfett) begünstigt Insulinresistenz, ebenso körperliche Inaktivität und eine energiereiche, ballaststoffarme Ernährung. Auch regelmäßiger Zuckerkonsum über Softdrinks, Rauchen und übermäßiger Alkohol sind relevante Risikofaktoren; oft treten diese Faktoren gemeinsam im Rahmen des metabolischen Syndroms auf.

Daneben gibt es nicht beeinflussbare Ursachen bzw. Risiken, die die Entwicklung von Prädiabetes wahrscheinlicher machen:

  • höheres Alter,
  • familiäre Vorbelastung,
  • bestimmte ethnische Hintergründe,
  • früherer Schwangerschaftsdiabetes (oder ein sehr hohes Geburtsgewicht des Kindes).

Zudem können bestimmte Erkrankungen und Umstände die Insulinempfindlichkeit zusätzlich verschlechtern, hierzu gehören zum Beispiel:

Auch Schichtarbeit bzw. Essen zu ungünstigen Zeiten (Störung des Tag-Nacht-Rhythmus) kann das Risiko für Prädiabetes erhöhen.

Prädiabetes: Symptome

Prädiabetes verläuft in den meisten Fällen ohne spürbare Beschwerden. Genau das macht ihn so tückisch: Viele Menschen fühlen sich völlig gesund, obwohl der Zuckerstoffwechsel bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist. Häufig fällt Prädiabetes deshalb nur zufällig auf – etwa bei einem Routine-Check, im Rahmen einer Blutuntersuchung oder weil der behandelnde Arzt aufgrund von Risikofaktoren (z. B. Übergewicht, Bluthochdruck) gezielt testet.

Wenn doch Symptome auftreten, sind diese meist unspezifisch und werden nicht sofort mit dem Blutzucker in Verbindung gebracht. Manche Betroffene berichten über Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder ein allgemeines Leistungstief, insbesondere nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten.

Liegt der Blutzucker bereits häufiger im oberen Bereich oder rutscht zeitweise in Richtung Diabetes, können vereinzelt auch typische Symptome auftreten:

  • vermehrter Durst,
  • häufigeres Wasserlassen,
  • trockene Haut,
  • verschwommenes Sehen,
  • schlechtere Wundheilung.

Solche Beschwerden sind eher ein Signal, dass die Stoffwechsellage sich verschlechtert – sie sollten daher ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden.

Es gibt außerdem Hinweise am Körper, die auf eine Insulinresistenz hindeuten können, zum Beispiel dunklere, samtige Hautverfärbungen an Nacken, Achseln oder Leisten (Acanthosis nigricans). Auch wiederkehrende Infektionen (z. B. Haut oder Schleimhäute) können manchmal häufiger auftreten.

Prädiabetes: Diagnose

Ein zentraler Test für die Diagnostik ist der Nüchternblutzucker (venöses Plasma): Dabei wird morgens nach mindestens 8 Stunden ohne Kalorien gemessen. Werte zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l) gelten als Hinweis auf eine gestörte Nüchternglukose und damit auf ein erhöhtes Diabetes-Risiko. International gibt es hierbei leichte Unterschiede: Die WHO arbeitet traditionell mit einem höheren unteren Grenzwert (6,1 mmol/l).

Ergänzend oder alternativ kann ein oraler Glukosetoleranztest sinnvoll sein. Dabei trinkt man nüchtern eine definierte Zuckerlösung, anschließend wird der Blutzucker – besonders nach 2 Stunden – gemessen. Liegt dieser 2-Stunden-Wert zwischen 140 und 199 mg/dl (7,8–11,0 mmol/l), spricht das für eine gestörte Glukosetoleranz, die ebenfalls zum Prädiabetes-Bereich gehört. Der oraler Glukosetoleranztest ist besonders hilfreich, wenn die Nüchternwerte grenzwertig sind oder wenn trotz unauffälligem Nüchternwert ein begründeter Verdacht besteht.

Auch der HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker) wird häufig genutzt, weil er den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen widerspiegelt. Ein HbA1c von 5,7 bis 6,4 % (39–47 mmol/mol) gilt als Bereich, der auf Prädiabetes hindeutet. Zu berücksichtigen ist, dass der HbA1c in bestimmten Situationen verfälscht sein kann (z. B. bei Blutarmut oder bestimmten Hämoglobinvarianten). Dann stützt der behandelnde Arzt seine Diagnose eher auf den Nüchternwert und/oder den oralen Glukosetoleranztest.

Prädiabetes erkennen: wichtige Werte im Überblick

Wert oder Untersuchung Normalbereich Hinweis auf Prädiabetes Hinweis auf Diabetes Was sinnvoll sein kann
Nüchternblutzucker unter 100 mg/dl
unter 5,6 mmol/l
100–125 mg/dl
5,6–6,9 mmol/l
ab 126 mg/dl
ab 7,0 mmol/l
Auffällige Werte ärztlich bestätigen lassen; Messbedingungen, Medikamente und akute Erkrankungen berücksichtigen.
HbA1c unter 5,7 %
unter 39 mmol/mol
5,7–6,4 %
39–47 mmol/mol
ab 6,5 %
ab 48 mmol/mol
Praktisch als Langzeitwert, aber bei Blutarmut, Hämoglobinvarianten oder bestimmten Erkrankungen nicht immer zuverlässig.
Oraler Glukosetoleranztest 2-Stunden-Wert unter 140 mg/dl
unter 7,8 mmol/l
2-Stunden-Wert 140–199 mg/dl
7,8–11,0 mmol/l
2-Stunden-Wert ab 200 mg/dl
ab 11,1 mmol/l
Besonders hilfreich, wenn Nüchternwert oder HbA1c grenzwertig sind oder ein Verdacht trotz unauffälliger Einzelwerte besteht.
Gelegenheitsblutzucker keine feste Prädiabetes-Einordnung für Prädiabetes weniger geeignet ab 200 mg/dl bei typischen Symptomen verdächtig Bei starkem Durst, häufigem Wasserlassen, Gewichtsverlust oder Benommenheit zeitnah ärztlich abklären lassen.
Bauchumfang abhängig von Geschlecht und Körperbau erhöhtes Bauchfett kann auf Insulinresistenz hinweisen kein Diagnosewert für Diabetes Bauchumfang, Gewicht, Blutdruck, Blutfette und Blutzucker gemeinsam betrachten.
Blutdruck individuell zu bewerten Bluthochdruck tritt häufig zusammen mit Insulinresistenz auf kein Diagnosewert für Diabetes Regelmäßig messen und bei erhöhten Werten ärztlich behandeln lassen.
Blutfette abhängig vom individuellen Risiko hohe Triglyceride und niedriges HDL können zum metabolischen Syndrom passen kein Diagnosewert für Diabetes LDL, HDL und Triglyceride kontrollieren lassen; Herz-Kreislauf-Risiko berücksichtigen.
Leberwerte abhängig vom Labor auffällige Werte können bei Fettleber und Insulinresistenz vorkommen kein Diagnosewert für Diabetes Bei Verdacht auf Fettleber Ernährung, Gewicht, Alkohol, Medikamente und Stoffwechselwerte ärztlich besprechen.
Nierenwerte abhängig von Alter, Labor und Begleiterkrankungen Prädiabetes kann Teil eines erhöhten Stoffwechsel- und Gefäßrisikos sein bei Diabetes besonders wichtig für Verlaufskontrollen eGFR und ggf. Albumin im Urin kontrollieren lassen, besonders bei Bluthochdruck oder Diabetesrisiko.
Verlaufskontrolle Werte bleiben stabil im Normalbereich Werte bleiben erhöht oder verschlechtern sich Werte erreichen Diabetesbereich Kontrollintervall ärztlich festlegen; bei Grenzwerten oder hohem Risiko ggf. engmaschiger kontrollieren.

Prädiabetes: Behandlung

Bei Prädiabetes geht es in der Behandlung vor allem darum, den Zuckerstoffwechsel wieder zu stabilisieren und das Risiko zu senken, dass sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Medikamente stehen zur Behandlung von Prädiabetes meist nicht an erster Stelle. Im Mittelpunkt steht stattdessen ein Bündel aus wirksamen Stellschrauben wie der Ernährung, ausreichend Bewegung, ausreichend Schlaf etc. Zudem ist es wichtig, die Werte regelmäßig zu kontrollieren, um zu überwachen, ob die Maßnahmen greifen oder ob nachjustiert werden muss.

Die wirksamste Basistherapie ist eineAnpassung des Lebensstils. Hierzu gehört häufig eine Gewichtsreduktion von mindestens 5–7 % (bei Übergewicht/Adipositas) und mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche in moderater Intensität (z. B. zügiges Gehen, Radfahren). In großen Studien zur Diabetesprävention war die intensive Lebensstilintervention besonders effektiv; schon regelmäßige Bewegung kann das Risiko deutlich senken – selbst dann, wenn das Abnehmen nicht vollständig gelingt.

Häufig gestellte Fragen

Wie ist der HbA1C-Wert bei Prädiabetes?

Der HbA1c (Langzeitblutzucker) zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2–3 Monate. Für Prädiabetes wird häufig ein HbA1c-Bereich von 5,7 bis 6,4 % angegeben (entspricht 39–47 mmol/mol). Werte darunter gelten meist als unauffällig, ab 6,5 % wird in der Regel Diabetes diagnostiziert. Der HbA1c ist praktisch, weil der Patient hierfür nicht nüchtern sein muss – aber er kann in bestimmten Situationen weniger zuverlässig sein (z. B. bei Blutarmut).

Wie lässt sich der HbA1C-Wert senken?

Am effektivsten ist meist eine Kombination aus mehr Bewegung, angepasster Ernährung und – falls nötig – moderatem Gewichtsverlust. In der großen Diabetes-Prevention-Program-Studie lag das Ziel bei mindestens 150 Minuten Aktivität pro Woche (etwa zügiges Gehen) und rund 7 % Gewichtsreduktion; damit sank das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich.

Ist Prädiabetes gefährlich?

Prädiabetes ist nicht harmlos, aber vor allem ein Warnsignal: Er zeigt, dass der Stoffwechsel bereits belastet ist und das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht ist. Gleichzeitig ist es ein Stadium, in dem sich mit passenden Maßnahmen oft noch viel beeinflussen lässt – genau deshalb ist die frühe Diagnose so wertvoll.

Beeinflusst Prädiabetes die Lebenserwartung?

Prädiabetes kann die Lebenserwartung indirekt beeinflussen – vor allem dann, wenn er mit anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder ungünstigen Blutfetten einhergeht. Studien und Metaanalysen finden insgesamt einen Zusammenhang zwischen Prädiabetes und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse sowie einer höheren Gesamtsterblichkeit.

Quellen und Studien

  1. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes. AWMF-Registernummer nvl-001. AWMF-Leitlinienregister
  2. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes – Nicht-medikamentöse Therapie. Ergänzung zu Version 3, Stand 12/2024. AWMF / NVL
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