Melatonin zum Einschlafen: Wirkung, Einnahme und Grenzen

Schlafmittel

Autorin: Katharina Heinz (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA), Ernährungsberaterin und Pharmazieökonomin)

Inhaltliche Qualitätssicherung: Dr. rer. nat. Till Schumacher (Apotheker)

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Schlecht einschlafen, lange wach liegen oder abends einfach nicht müde werden: Viele Menschen greifen bei solchen Problemen zu Melatonin. Das körpereigene Hormon steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus und wird deshalb häufig als sanfte Unterstützung für das Einschlafen angeboten. Doch wie gut funktioniert das tatsächlich – und ist eine höhere Dosierung automatisch wirksamer?

Nachfolgend gehen wir u.a. darauf ein, wie Melatonin den Schlaf beeinflusst, wie es richtig eingenommen wird, welche Dosierungen sinnvoll sein können welche Neben- und Wechselwirkungen möglich sind.

Melatonin zum Einschlafen: Auf einen Blick

Melatonin spielt eine wichtige Rolle für den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Als Präparat kann es das Einschlafen unterstützen – wie gut es wirkt, hängt jedoch unter anderem von der Ursache der Schlafprobleme und der richtigen Anwendung ab.

Wirkung Melatonin signalisiert dem Körper die biologische Nacht und kann bei bestimmten Schlafproblemen dazu beitragen, die Einschlafzeit zu verkürzen.
Einnahme Der passende Einnahmezeitpunkt hängt vom Präparat und der Freisetzungsform ab. Melatonin erst unmittelbar beim Zubettgehen einzunehmen, ist daher nicht immer optimal.
Dosierung Bereits niedrige Dosierungen können wirksam sein. Eine höhere Menge führt nicht automatisch zu einer stärkeren oder besseren Wirkung.
Darreichungsformen Melatonin ist unter anderem als Tablette, Kapsel, Spray oder Gummi erhältlich. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen schneller und verzögerter Freisetzung.
Einnahmedauer Melatonin kann je nach Anwendungszweck gelegentlich oder über einen begrenzten Zeitraum regelmäßig verwendet werden. Zur jahrelangen täglichen Einnahme liegen weniger Daten vor.
Grenzen Melatonin beseitigt nicht jede Ursache von Einschlafproblemen. Stress, Schmerzen, ungünstige Schlafgewohnheiten oder andere Schlafstörungen benötigen gegebenenfalls andere Behandlungsansätze.

Was ist Melatonin und wie beeinflusst es den Schlaf?

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das vor allem in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet wird und eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus spielt. Seine Ausschüttung orientiert sich dabei stark am Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit. Vereinfacht gesagt signalisiert Melatonin dem Körper, dass die Nacht beginnt und die Zeit für Ruhe und Schlaf näher rückt. Damit gehört das Hormon zu den wichtigen Botenstoffen der inneren Uhr, die zahlreiche körperliche Prozesse innerhalb eines ungefähr 24-stündigen Rhythmus koordiniert.

Während des Tages ist die Melatoninkonzentration im Blut normalerweise niedrig. Wenn es am Abend dunkler wird, beginnt der Melatoninspiegel allmählich anzusteigen. Unter gedämpften Lichtbedingungen lässt sich dieser Anstieg häufig bereits etwa zwei bis drei Stunden vor der gewohnten Schlafenszeit beobachten. Dieses als „Dim Light Melatonin Onset“ (DLMO) bezeichnete Phänomen wird in der Schlafforschung sogar als wichtiger Marker für die individuelle innere Uhr verwendet. Im weiteren Verlauf der Nacht steigt die Melatoninkonzentration weiter an und erreicht typischerweise in den frühen Morgenstunden hohe Werte.

Mit zunehmendem Tageslicht am Morgen sinkt der Melatoninspiegel wieder. Licht ist damit einer der wichtigsten äußeren Taktgeber für den Schlaf-Wach-Rhythmus. Umgekehrt kann helles Licht am Abend die natürliche Melatoninausschüttung unterdrücken oder zeitlich verschieben. Das gilt insbesondere für intensive künstliche Beleuchtung und kann dazu beitragen, dass sich der Körper trotz später Uhrzeit noch nicht vollständig auf die Nacht eingestellt hat.

Melatonin sollte daher nicht mit einem klassischen Schlafmittel gleichgesetzt werden. Seine zentrale Funktion besteht vielmehr darin, dem Organismus Information über die biologische Nacht zu vermitteln und den circadianen Rhythmus mit dem Tag-Nacht-Wechsel abzustimmen. Ob zusätzlich eingenommenes Melatonin tatsächlich dabei helfen kann, schneller einzuschlafen, hängt von mehreren Faktoren ab – und wird im folgenden Abschnitt genauer betrachtet.

28,70 € – 34,90 €

249,57 € – 151,74 € / 100 g

Produkt enthält: 11,5 g – 23 g

26,30 € – 34,50 €

228,70 € – 150,00 € / 100 g

Produkt enthält: 11,5 g – 23 g

31,90 € – 41,60 €

277,39 € – 180,87 € / 100 g

Produkt enthält: 11,5 g – 23 g

Hilft Melatonin wirklich beim Einschlafen?

Melatonin kann das Einschlafen unterstützen – allerdings sollte die Wirkung realistisch eingeschätzt werden! Es handelt sich nicht um ein klassisches Schlafmittel, das unmittelbar eine starke Müdigkeit auslöst. Vielmehr kann zusätzlich aufgenommenes Melatonin das körpereigene Signal für die biologische Nacht verstärken bzw. den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen. Entsprechend hängt der Nutzen stark davon ab, warum jemand Schwierigkeiten beim Einschlafen hat.

Die Studienlage fällt daher nicht einheitlich aus: Untersuchungen zeigen teilweise eine Verkürzung der Einschlafzeit, während andere Studien bei Erwachsenen mit chronischen Schlafstörungen keinen eindeutigen Effekt feststellen konnten. Melatonin scheint somit nicht bei jeder Person mit Einschlafproblemen gleichermaßen wirksam zu sein.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen allgemeinen Schlafproblemen und Störungen des circadianen Rhythmus. Wenn die innere Uhr zeitlich verschoben ist, passt die Wirkweise von Melatonin deutlich besser zum zugrunde liegenden Problem. Bei chronischen Schlafstörungen, deren Ursachen beispielsweise in Stress, ungünstigen Schlafgewohnheiten oder anderen körperlichen beziehungsweise psychischen Faktoren liegen, reicht Melatonin hingegen häufig nicht aus.

Wie schnell kann Melatonin beim Einschlafen helfen?

Wenn Melatonin wirkt, kann sich ein Effekt grundsätzlich bereits am Abend der Einnahme bemerkbar machen. Wie ausgeprägt dieser ausfällt, unterscheidet sich jedoch erheblich. Faktoren wie der individuelle Schlaf-Wach-Rhythmus, die Ursache der Einschlafprobleme, die Darreichungsform und insbesondere der Zeitpunkt der Einnahme beeinflussen das Ergebnis. Melatonin sollte deshalb nicht als Mittel verstanden werden, das nach einer festgelegten Anzahl von Minuten zuverlässig Schlaf auslöst.

Wie deutlich der Effekt unter geeigneten Voraussetzungen sein kann, zeigt beispielsweise eine randomisierte Studie mit Menschen mit einer verzögerten Schlaf-Wach-Phase. Teilnehmer, die Melatonin zusammen mit einem festgelegten Schlafrhythmus erhielten, schliefen im Durchschnitt rund 34 Minuten früher ein als unter Placebo. Das bedeutet allerdings nicht, dass Melatonin bei jedem Menschen die Einschlafzeit um eine halbe Stunde verkürzt. Die untersuchte Personengruppe litt gezielt unter einer Verschiebung ihres circadianen Rhythmus und unterscheidet sich damit von Personen mit unspezifischen Einschlafproblemen.

Auch eine neuere Meta-Analyse randomisierter Studien bestätigt, dass Melatonin die Einschlaflatenz grundsätzlich beeinflussen kann. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Effekt unter anderem vom Einnahmezeitpunkt und von den Eigenschaften der untersuchten Personen abhängt. Eine allgemeingültige Aussage wie „Melatonin wirkt nach 30 Minuten“ lässt sich aus der Studienlage deshalb nicht ableiten.

Für wen Melatonin besonders geeignet sein kann

Besonders naheliegend ist der Einsatz von Melatonin, wenn die innere Uhr aus dem gewohnten Rhythmus geraten ist. Ein typisches Beispiel ist das verzögerte Schlaf-Wach-Phasen-Syndrom. Betroffene werden erst sehr spät am Abend beziehungsweise in der Nacht müde und haben entsprechend Schwierigkeiten zu üblichen Zeiten einzuschlafen und morgens aufzustehen. Für diese Form der circadianen Schlaf-Wach-Störung gibt es vergleichsweise gute Hinweise darauf, dass gezielt eingesetztes Melatonin hilfreich sein kann.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist Jetlag nach Reisen über mehrere Zeitzonen. Der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus stimmt nach einer solchen Reise zunächst nicht mit der Ortszeit überein. Melatonin kann dabei helfen, die Anpassung der inneren Uhr zu unterstützen und dadurch Schlafprobleme zu reduzieren. Auch bei Schlafproblemen im Zusammenhang mit Schichtarbeit wird Melatonin untersucht; die Ergebnisse sind hier allerdings weniger eindeutig.

Für wen Melatonin ungeeignet ist

Weniger erfolgversprechend ist Melatonin, wenn die Einschlafprobleme nicht hauptsächlich mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammenhängen. Wer beispielsweise wegen dauerhaftem Stress, starkem Grübeln, Schmerzen oder einer ungünstigen Schlafumgebung nicht einschlafen kann, beseitigt diese Ursache durch die Einnahme von Melatonin nicht. In solchen Fällen kann es sinnvoller sein den Auslöser der Schlafprobleme zu identifizieren und gezielt zu beheben.

Melatonin richtig einnehmen

Bei Melatonin kommt es nicht nur darauf an, ob, sondern auch wann es eingenommen wird. Das unterscheidet das Hormon von vielen klassischen Schlafmitteln: Melatonin soll den Schlaf nicht einfach erzwingen, sondern das körpereigene Signal für die bevorstehende Nacht unterstützen. Ein ungünstiger Einnahmezeitpunkt kann deshalb dazu führen, dass die gewünschte Wirkung schwächer ausfällt oder ganz ausbleibt.

Wie Melatonin am besten eingenommen wird, hängt außerdem von der jeweiligen Darreichungsform und dem Zweck der Anwendung ab. Schnell und verzögert freisetzende Präparate unterscheiden sich beispielsweise darin, wie rasch und über welchen Zeitraum Melatonin im Körper verfügbar wird. Die jeweiligen Herstellerangaben beziehungsweise die ärztlichen Empfehlungen sollten daher berücksichtigt werden.

Melatonin direkt vor dem Schlafengehen: sinnvoll oder zu spät?

Melatonin erst unmittelbar vor dem Zubettgehen einzunehmen, ist nicht bei jedem Präparat optimal. Nach der Einnahme muss der Wirkstoff zunächst aufgenommen werden. Bei schnell freisetzendem Melatonin wird die höchste Konzentration im Blut im Durchschnitt nach ungefähr 50 Minuten erreicht, wobei zwischen einzelnen Menschen erhebliche Unterschiede bestehen können. Deshalb werden solche Präparate häufig mit einem gewissen zeitlichen Abstand vor der geplanten Schlafenszeit eingesetzt.

Bei retardiertem Melatonin gelten wiederum andere Empfehlungen. Für das in der EU zugelassene retardierte Arzneimittel Circadin beispielsweise sieht die Fachinformation eine Einnahme ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen vor. Das Melatonin wird anschließend über einen längeren Zeitraum freigesetzt. Der optimale Zeitpunkt lässt sich deshalb nicht pauschal für alle Melatonin-Produkte festlegen.

Hinzu kommt, dass Melatonin neben seiner schlaffördernden Wirkung auch die innere Uhr zeitlich beeinflussen kann. Soll der Schlaf-Wach-Rhythmus gezielt verschoben werden – etwa bei bestimmten circadianen Schlafstörungen –, kann der geeignete Einnahmezeitpunkt deutlich stärker von der individuellen inneren Uhr abhängen. Eine möglichst frühe oder möglichst späte Einnahme ist daher nicht automatisch besser.

Für die gewöhnliche Anwendung zum Einschlafen ist es deshalb sinnvoll, sich an den Angaben des jeweiligen Präparats zu orientieren. Wer Melatonin einnimmt und direkt danach erwartet, innerhalb weniger Minuten müde zu werden, könnte die Wirkung dagegen zu früh beurteilen.

Was tun, wenn Melatonin nicht wirkt?

Bleibt die erhoffte Wirkung aus, sollte nicht automatisch die Menge erhöht werden. Zunächst sollte geprüft werden, ob der Einnahmezeitpunkt zum verwendeten Präparat passt. Auch die Darreichungsform kann eine Rolle spielen, da schnell und verzögert freisetzendes Melatonin unterschiedliche Konzentrationsverläufe erzeugt. Welche Dosierung sinnvoll sein kann und warum mehr Melatonin nicht zwangsläufig besser wirkt, wird im folgenden Abschnitt ausführlicher behandelt.

Ebenso wichtig sind die Erwartungen an die Wirkung. Melatonin ist kein starkes Beruhigungsmittel und führt nicht bei jedem Menschen zu einer deutlich spürbaren Müdigkeit. Eine Wirkung kann sich beispielsweise eher darin zeigen, dass das Einschlafen etwas leichter oder früher gelingt. Bleibt ein solcher Effekt über mehrere Anwendungen aus, kann dies darauf hindeuten, dass Melatonin nicht zum eigentlichen Auslöser der Schlafprobleme passt.

Dann sollte insbesondere nach anderen Schlafstörern gesucht werden. Helles Licht am Abend, spätes Koffein, ein unregelmäßiger Schlafrhythmus, Stress oder anhaltendes Grübeln können das Einschlafen erschweren und lassen sich durch Melatonin allein nicht zuverlässig ausgleichen. Auch Erkrankungen oder andere Schlafstörungen können hinter länger anhaltenden Beschwerden stehen.

Bestehen Einschlafprobleme über einen längeren Zeitraum oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, ist es daher sinnvoll, die Ursache medizinisch abklären zu lassen, anstatt Melatonin immer weiter zu steigern oder verschiedene Präparate auszuprobieren. Gerade bei chronischer Insomnie stehen zudem andere Behandlungsansätze zur Verfügung, die gezielter an den Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren der Schlafprobleme ansetzen.

Welche Melatonin-Dosierung zum Einschlafen?

Wie viel Melatonin zum Einschlafen sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal mit einer bestimmten Mengenangabe beantworten. In Studien wurden sehr unterschiedliche Dosierungen untersucht, und auch das Alter, die Art der Schlafprobleme, der Einnahmezeitpunkt und die verwendete Darreichungsform können beeinflussen, wie gut Melatonin wirkt. Eine höhere Dosis ist daher nicht automatisch notwendig, nur weil die gewünschte Wirkung bei einer niedrigeren Menge nicht sofort eintritt.

Auch zwischen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln bestehen Unterschiede. Ein in der EU zugelassenes retardiertes Melatonin-Arzneimittel zur kurzzeitigen Behandlung primärer Insomnie bei Menschen ab 55 Jahren enthält beispielsweise 2 mg Melatonin. Diese Dosierung kann jedoch nicht ohne Weiteres als allgemeine Empfehlung für jeden Erwachsenen und jedes Melatonin-Präparat übertragen werden.

Reicht eine niedrige Melatonin-Dosierung?

Bereits vergleichsweise geringe Mengen Melatonin können einen Einfluss auf den Schlaf haben. In einer klassischen kontrollierten Untersuchung verkürzten beispielsweise sowohl 0,3 mg als auch 1 mg Melatonin bei gesunden Probanden die Einschlafzeit. Eine weitere Studie mit älteren Menschen mit Schlafproblemen zeigte, dass 0,3 mg Melatonin die nächtlichen Melatoninwerte in einen physiologischen Bereich anheben und die Schlafeffizienz verbessern konnten.

Das zeigt, dass für einen Effekt nicht zwangsläufig mehrere Milligramm erforderlich sind. Wie stark jemand auf eine bestimmte Menge reagiert, kann allerdings individuell unterschiedlich sein. Zudem lassen sich Ergebnisse einzelner Studien nicht unmittelbar auf jeden Menschen mit Einschlafproblemen übertragen.

Eine niedrige Dosierung kann außerdem den Vorteil haben, unnötig hohe Melatoninspiegel zu vermeiden. Insbesondere wenn bereits eine geringe Menge den gewünschten Effekt erzielt, besteht wenig Anlass, die Dosis zu steigern. Welche Menge im konkreten Fall sinnvoll ist, sollte sich daher auch nach dem verwendeten Präparat und den jeweiligen Anwendungsempfehlungen richten.

Ist eine höhere Melatonin-Dosierung besser?

Ganz so einfach ist die Dosis-Wirkungs-Beziehung allerdings nicht. Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Dosis-Wirkungs-Metaanalyse von 26 randomisierten Studien fand heraus, dass sich die Einschlafzeit mit zunehmender Melatonin-Dosis zunächst weiter verkürzte. Der größte modellierte Effekt wurde bei ungefähr 4 mg pro Tag erreicht. Die Autoren kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass sowohl die Dosis als auch der Einnahmezeitpunkt für die Wirksamkeit relevant sein können.

Daraus folgt jedoch nicht, dass 4 mg für jede Person die optimale Dosierung sind oder höhere Mengen grundsätzlich empfehlenswerter wären. In die Analyse flossen unterschiedliche Personengruppen, Schlafprobleme und Studiendesigns ein. Außerdem lässt sich aus einem durchschnittlichen Dosis-Wirkungs-Verlauf nicht ableiten, welche Menge eine einzelne Person benötigt. Dass niedrige Dosierungen in anderen Studien bereits wirksam waren, spricht ebenfalls gegen eine pauschale Strategie nach dem Motto „viel hilft viel“.

Mit zunehmender Dosis kann zudem das Risiko unerwünschter Wirkungen steigen. In einer systematischen Untersuchung höherer Melatonin-Dosierungen von mindestens 10 mg traten beispielsweise Beschwerden wie Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel häufiger auf. Sehr hohe Dosierungen sollten deshalb nicht alleine in der Hoffnung verwendet werden, dadurch schneller oder besser einzuschlafen.

Wo liegen die Grenzen von Melatonin?

Melatonin kann zwar das Einschlafen unterstützen, ist jedoch kein universelles Mittel gegen Schlafstörungen. Der Nutzen hängt wesentlich davon ab, welche Ursache hinter den Beschwerden steckt. Studien zeigen zwar, dass Melatonin die Einschlafzeit bei bestimmten Personengruppen verkürzen kann, andere Aspekte des Schlafs – beispielsweise nächtliche Wachphasen oder die allgemeine Schlafqualität – verbessern sich dadurch jedoch nicht zwangsläufig. Entsprechend sollte von Melatonin keine Wirkung erwartet werden, die mit starken verschreibungspflichtigen Schlafmitteln vergleichbar ist.

Besonders deutlich werden die Grenzen bei chronischer Insomnie. Hier reichen die wissenschaftlichen Belege nicht aus, um Melatonin generell als Behandlung zu empfehlen. Die Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine spricht sich bei Erwachsenen mit chronischer Insomnie gegen eine routinemäßige Behandlung mit Melatonin aus, wobei diese Empfehlung auf einer insgesamt schwachen beziehungsweise begrenzten Datenlage beruht. Als besonders gut untersuchte Behandlung gilt stattdessen die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I).

Auch Stress, Schmerzen, ungünstige Schlafgewohnheiten oder eine dauerhaft störende Schlafumgebung werden durch Melatonin nicht beseitigt. Das Gleiche gilt für andere Schlafstörungen, bei denen Einschlafprobleme lediglich ein Teil des Beschwerdebildes sind. Wer beispielsweise wiederholt stark schnarcht, Atemaussetzer bemerkt, ausgeprägte Tagesmüdigkeit entwickelt oder über längere Zeit schlecht schläft, sollte daher nicht allein versuchen, die Beschwerden mit Melatonin zu überdecken. In solchen Fällen ist es wichtiger, die zugrunde liegende Ursache zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Die Stärke von Melatonin liegt also weniger darin, jede Form von schlechtem Schlaf zu behandeln, sondern vor allem darin, wo seine Wirkung auf den Schlaf-Wach-Rhythmus zum jeweiligen Problem passt. Bei gelegentlichen Einschlafproblemen kann es eine mögliche Unterstützung darstellen; bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden sollte dagegen geprüft werden, warum der Schlaf gestört ist. Melatonin kann eine solche Ursachenklärung nicht ersetzen.

Darreichungsformen im Überblick

Melatonin wird inzwischen in zahlreichen Darreichungsformen angeboten. Neben klassischen Tabletten und Kapseln gibt es beispielsweise Sprays und Gummis. Für die Wirkung ist allerdings nicht nur entscheidend, in welcher Form Melatonin eingenommen wird. Von größerer Bedeutung ist, wie schnell der Wirkstoff freigesetzt und vom Körper aufgenommen wird. Besonders relevant ist deshalb die Unterscheidung zwischen schnell freisetzenden und retardierten Präparaten.

Melatonin Kapseln und Tabletten

Tabletten und Kapseln gehören zu den klassischen Darreichungsformen. Sie werden geschluckt und der Wirkstoff anschließend über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Je nach Produkt kann Melatonin dabei entweder schnell oder verzögert freigesetzt werden. Die äußere Form allein sagt damit noch wenig darüber aus, wie schnell die Melatoninkonzentration im Blut ansteigt.

Ein Vorteil von Tabletten und Kapseln besteht in der fest vorgegebenen Wirkstoffmenge pro Einheit. Dadurch lässt sich die aufgenommene Menge vergleichsweise einfach nachvollziehen. Bei retardierten Arzneimitteln ist außerdem wichtig, die jeweilige Gebrauchsinformation zu beachten: Das zugelassene Retardpräparat Circadin soll beispielsweise im Ganzen geschluckt und nicht zerkleinert oder zerkaut werden, da sonst die verzögerte Wirkstofffreisetzung beeinträchtigt werden kann.

Melatonin-Sprays

Melatonin-Sprays werden in den Mund beziehungsweise – abhängig vom jeweiligen Produkt – auf oder unter die Zunge gesprüht. Sie sind unkompliziert anzuwenden und können insbesondere für Menschen praktisch sein, die ungern Tabletten oder Kapseln schlucken.

Sublinguale, schnell freisetzende Sprays können Melatonin zudem relativ rasch verfügbar machen. In einer kleinen randomisierten Crossover-Studie mit 14 gesunden Männern erreichte ein untersuchtes sublinguales Spray seinen höchsten Melatoninspiegel im Blut nach durchschnittlich rund 23 Minuten. Die in derselben Studie untersuchte retardierte Tablette erreichte ihren Höchstwert dagegen deutlich später. Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass jedes Melatonin-Spray grundsätzlich schneller oder besser wirkt.

Melatonin-Gummis

Melatonin-Gummis – häufig auch als Melatonin-Gummies bezeichnet – verbinden den Wirkstoff Melatonin mit einer kaubaren Darreichungsform. Sie können dadurch angenehmer einzunehmen sein als Tabletten und sind meist bereits portionsweise dosiert. Je nach Produkt können sie jedoch zusätzlich Zucker, Süßungsmittel, Aromen oder weitere Inhaltsstoffe enthalten, weshalb sich ein Blick auf die Zutatenliste lohnt.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln sollte außerdem auf die angegebene Melatoninmenge pro Gummi beziehungsweise Tagesportion geachtet werden. Untersuchungen aus den USA zeigen, dass der tatsächliche Melatoningehalt von Nahrungsergänzungsmitteln teilweise von der Deklaration abweichen kann. In einer Untersuchung von 25 dort erhältlichen Melatonin-Gummis enthielten nur drei Produkte eine Melatoninmenge innerhalb von zehn Prozent des angegebenen Wertes. Diese Ergebnisse lassen sich zwar nicht ohne Weiteres auf in Deutschland erhältliche Produkte übertragen, verdeutlichen aber die Bedeutung einer verlässlichen Produktqualität.

Retardiertes und schnell freisetzendes Melatonin

Für die Auswahl eines Melatonin-Präparats ist die Freisetzungsform häufig wichtiger als die Frage, ob es sich um eine Tablette, Kapsel oder ein Spray handelt. Schnell freisetzendes Melatonin gibt den Wirkstoff innerhalb relativ kurzer Zeit frei. Es wird daher vor allem eingesetzt, wenn das Einschlafen beziehungsweise eine zeitnahe Melatoninwirkung im Vordergrund steht.

Retardiertes Melatonin wird dagegen über mehrere Stunden hinweg nach und nach freigesetzt. Dadurch entsteht ein längerer Konzentrationsverlauf, der die natürliche nächtliche Melatoninfreisetzung stärker nachahmen soll. Das von der Europäischen Arzneimittel-Agentur beschriebene Retardpräparat Circadin setzt beispielsweise Melatonin langsam über mehrere Stunden frei und ist zur kurzzeitigen Behandlung primärer Insomnie bei Menschen ab 55 Jahren zugelassen.

Auch pharmakokinetische Untersuchungen zeigen diesen Unterschied deutlich: Während ein schnell freisetzendes sublinguales Spray in einer Studie einen frühen und vergleichsweise hohen Konzentrationsgipfel erzeugte, führte die retardierte Tablette zu einem späteren Höchstwert und anschließend zu einer länger anhaltenden Melatoninkonzentration. Welche Freisetzungsform geeigneter ist, hängt daher davon ab, welches Schlafproblem im Vordergrund steht und für welchen Zweck das jeweilige Präparat vorgesehen ist.

Melatonin zum Einschlafen im Überblick

Aspekt Was ist wichtig? Einordnung
Wirkung Melatonin unterstützt die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Wirkung auf die Einschlafzeit ist meist moderat und individuell unterschiedlich.
Einnahmezeitpunkt Abhängig von Präparat, Freisetzungsform und Anwendungszweck. Retardiertes Melatonin kann beispielsweise bereits ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen vorgesehen sein.
Dosierung Auch niedrige Mengen können bereits einen Effekt haben. Eine höhere Dosis bedeutet nicht automatisch eine bessere Schlafwirkung.
Schnell freisetzendes Melatonin Melatonin wird innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit freigesetzt. Kann insbesondere interessant sein, wenn das Einschlafen im Vordergrund steht.
Retardiertes Melatonin Der Wirkstoff wird über einen längeren Zeitraum nach und nach freigesetzt. Erzeugt einen länger anhaltenden Melatoninspiegel als schnell freisetzende Präparate.
Tägliche Einnahme Je nach Anwendungsgrund kann Melatonin über einen bestimmten Zeitraum regelmäßig eingesetzt werden. Für eine jahrelange tägliche Selbstmedikation ist die Datenlage begrenzter.
Abhängigkeit Eine typische körperliche Abhängigkeit ist nach bisheriger Datenlage nicht zu erwarten. Eine psychologische Gewöhnung an die abendliche Einnahme ist davon zu unterscheiden.
Nebenwirkungen Möglich sind unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte die Einnahme überprüft werden.
Grenzen Melatonin behandelt nicht automatisch die Ursache von Schlafproblemen. Bei länger anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden sollte die Ursache abgeklärt werden.

Wie lange darf man Melatonin zum Einschlafen nehmen?

Wie lange Melatonin verwendet werden kann, hängt unter anderem vom verwendeten Präparat, dem Anwendungsgrund und der Dauer der Schlafprobleme ab. Eine allgemeine maximale Einnahmedauer für sämtliche Melatonin-Produkte gibt es daher nicht. Für das in der EU zugelassene retardierte Arzneimittel Circadin mit 2 mg Melatonin ist beispielsweise zur Behandlung primärer Insomnie bei Menschen ab 55 Jahren eine Einnahme von bis zu 13 Wochen vorgesehen. Gleichzeitig gilt: Während Melatonin für die kurzfristige Anwendung insgesamt als relativ gut untersucht gilt, sind die Daten zur langfristigen Sicherheit deutlich begrenzter.

Melatonin nur gelegentlich oder täglich?

Melatonin kann je nach Anwendungszweck sowohl gelegentlich als auch über einen bestimmten Zeitraum täglich eingesetzt werden. Wer beispielsweise nur gelegentlich Schwierigkeiten beim Einschlafen hat, benötigt nicht zwangsläufig eine tägliche Einnahme. Bei bestimmten Schlafproblemen oder einer gezielten Behandlung des Schlaf-Wach-Rhythmus kann dagegen eine regelmäßige Einnahme über mehrere Wochen vorgesehen sein.

Wie lange eine tägliche Anwendung sinnvoll ist, sollte jedoch nicht allein davon abhängig gemacht werden, ob Melatonin weiterhin beim Einschlafen hilft. Bestehen Schlafprobleme über Wochen oder Monate, ist es wichtig, deren Ursache zu betrachten. Eine dauerhaft schlechte Schlafqualität, chronische Insomnie oder eine andere Schlafstörung lässt sich nicht zwangsläufig dadurch lösen, dass Melatonin unbegrenzt weiter eingenommen wird.

Auch die bisherige Forschung spricht für eine gewisse Zurückhaltung bei einer langfristigen Selbstmedikation. In Untersuchungen über mindestens sechs Monate wurden zwar insgesamt nur wenige klinisch bedeutsame unerwünschte Ereignisse beobachtet. Gleichzeitig weisen Forscher jedoch darauf hin, dass es bislang nur wenige hochwertige, langfristige und placebokontrollierte Studien gibt. Entsprechend lässt sich die Sicherheit einer jahrelangen täglichen Einnahme noch nicht mit derselben Sicherheit beurteilen wie die kurzfristige Anwendung.

Gewöhnt sich der Körper an Melatonin?

Von einer Toleranzentwicklung spricht man, wenn eine Substanz bei regelmäßiger Einnahme mit der Zeit immer schwächer wirkt und deshalb eine zunehmend höhere Dosis benötigt wird, um denselben Effekt zu erzielen. Eine solche ausgeprägte Toleranz, wie sie beispielsweise bei manchen klassischen Schlafmitteln auftreten kann, wurde für Melatonin bislang nicht überzeugend nachgewiesen.

Für retardiertes Melatonin liegen unter anderem Studien mit einer Behandlungsdauer von bis zu sechs Monaten vor. Dabei zeigten sich keine Hinweise darauf, dass die Wirkung im Verlauf aufgrund einer zunehmenden Toleranz verloren ging. Auch eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu retardiertem Melatonin kommt zu dem Ergebnis, dass die vorhandenen Daten gegen eine relevante Toleranzentwicklung sprechen.

Macht Melatonin abhängig?

Melatonin unterscheidet sich auch hinsichtlich des Abhängigkeitspotenzials von vielen klassischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Nach der bisherigen Datenlage gibt es keine überzeugenden Hinweise darauf, dass Melatonin eine typische körperliche Abhängigkeit verursacht. Bei Untersuchungen mit retardiertem Melatonin wurden nach dem Absetzen zudem weder typische Entzugssymptome noch eine ausgeprägte sogenannte Rebound-Insomnie – also eine vorübergehende Verschlechterung des Schlafs über das ursprüngliche Niveau hinaus – festgestellt.

Melatonin muss deshalb in der Regel auch nicht auf dieselbe Weise ausgeschlichen werden wie Arzneimittel, bei denen sich eine körperliche Abhängigkeit entwickeln kann. Die vorhandenen Erkenntnisse stammen allerdings vor allem aus Untersuchungen bestimmter Präparate und Dosierungen und sollten nicht uneingeschränkt auf jede beliebige Langzeitanwendung übertragen werden.

Davon zu unterscheiden ist eine psychologische Gewöhnung. Wer über längere Zeit jeden Abend Melatonin einnimmt, kann subjektiv das Gefühl entwickeln, ohne das Präparat nicht mehr einschlafen zu können – auch wenn keine körperliche Abhängigkeit vorliegt. Gerade bei länger anhaltenden Einschlafproblemen ist es daher sinnvoll, nicht ausschließlich auf Melatonin zu setzen, sondern auch den Schlafrhythmus, Schlafgewohnheiten und mögliche Ursachen der Beschwerden im Blick zu behalten.

28,70 € – 34,90 €

249,57 € – 151,74 € / 100 g

Produkt enthält: 11,5 g – 23 g

26,30 € – 34,50 €

228,70 € – 150,00 € / 100 g

Produkt enthält: 11,5 g – 23 g

31,90 € – 41,60 €

277,39 € – 180,87 € / 100 g

Produkt enthält: 11,5 g – 23 g

Nebenwirkungen von Melatonin

Melatonin gilt insgesamt als vergleichsweise gut verträglich. Trotzdem kann die Einnahme Nebenwirkungen verursachen – auch wenn längst nicht jeder Anwender davon betroffen ist. Welche Beschwerden auftreten, kann unter anderem von der individuellen Empfindlichkeit, dem verwendeten Präparat und der eingenommenen Menge abhängen.

Zu den häufiger beschriebenen Nebenwirkungen zählen insbesondere:

  • Müdigkeit oder Schläfrigkeit am folgenden Tag
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit oder Bauchschmerzen
  • trockener Mund
  • Reizbarkeit oder innere Unruhe
  • ungewöhnliche oder lebhafte Träume
  • nächtliches Schwitzen

Schwere Nebenwirkungen sind selten, sollten aber ernst genommen werden. Medizinischer Rat ist beispielsweise erforderlich, wenn es zu ausgeprägter Verwirrtheit, starkem Drehschwindel, ungewöhnlichen Blutungen oder deutlichen Sehstörungen kommt. Sehr selten können zudem schwere allergische Reaktionen auftreten. Atemnot sowie Schwellungen von Mund, Zunge oder Rachen sind deshalb Gründe, umgehend medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wechselwirkungen von Melatonin

Melatonin kann mit verschiedenen Arzneimitteln wechselwirken. Dabei können entweder die Melatoninkonzentration im Blut verändert, die beruhigende Wirkung verstärkt oder die Wirkung anderer Medikamente beeinflusst werden. Besonders relevant ist, dass Melatonin überwiegend über das Enzym CYP1A2 in der Leber abgebaut wird. Arzneimittel, die dieses Enzym hemmen oder aktivieren, können deshalb den Melatoninspiegel verändern.

Zu den Medikamenten, bei denen besondere Vorsicht geboten ist, gehören unter anderem:

  • Antidepressiva: Besonders ausgeprägt ist die Wechselwirkung mit Fluvoxamin. Es hemmt den Abbau von Melatonin und kann dessen Konzentration im Blut erheblich erhöhen. Die Kombination sollte laut Fachinformation vermieden werden.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel: Benzodiazepine wie Diazepam oder Temazepam sowie Schlafmittel wie Zolpidem, Zopiclon oder Zaleplon können zusammen mit Melatonin die dämpfende Wirkung verstärken. Dadurch können Müdigkeit, eingeschränkte Aufmerksamkeit und Koordinationsprobleme zunehmen.
  • Bestimmte Antibiotika: Einige Chinolone können den Abbau von Melatonin hemmen und dadurch dessen Konzentration erhöhen. Rifampicin kann dagegen den Melatoninspiegel reduzieren.
  • Carbamazepin: Das unter anderem bei Epilepsie eingesetzte Medikament kann den Abbau von Melatonin beschleunigen und dessen Konzentration im Blut verringern.
  • Östrogene: Östrogenhaltige Verhütungsmittel und eine Hormonersatztherapie können den Abbau von Melatonin hemmen und dadurch höhere Melatoninspiegel verursachen.
  • Cimetidin: Das zur Behandlung säurebedingter Magenbeschwerden eingesetzte Medikament kann ebenfalls die Melatoninkonzentration erhöhen.
  • Opioide und andere beruhigend wirkende Arzneimittel: Beispielsweise Codein oder Morphin können die Schläfrigkeit zusätzlich verstärken.
  • Blutdrucksenkende Medikamente und Warfarin: Auch hier sind mögliche Wechselwirkungen beschrieben, weshalb eine gemeinsame Anwendung mit Arzt oder Apotheker abgeklärt werden sollte.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kombination mit Fluvoxamin. Nach Angaben der europäischen Fachinformation kann Fluvoxamin die gesamte Melatoninbelastung im Körper deutlich erhöhen. Verantwortlich dafür ist die Hemmung der Leberenzyme CYP1A2 und CYP2C19, über die Melatonin abgebaut wird. Die gleichzeitige Anwendung wird deshalb nicht empfohlen. Auch andere starke CYP1A2-Hemmer können zu erhöhten Melatoninspiegeln führen.

Häufig gestellte Frage

Wie lange vor dem Schlafen gehen sollte Melatonin eingenommen werden?

Der passende Einnahmezeitpunkt hängt vom jeweiligen Präparat ab. Für das zugelassene retardierte Melatonin-Arzneimittel Circadin wird beispielsweise eine Einnahme ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen empfohlen. Auch bei anderen Produkten sollte deshalb zunächst die jeweilige Gebrauchsinformation beachtet werden.

Sollte Melatonin am Abend immer zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden?

Wer Melatonin regelmäßig zum Einschlafen verwendet, sollte möglichst auf einen gleichmäßigen Schlafrhythmus achten. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Einnahme jeden Abend auf die Minute genau zur selben Uhrzeit erfolgen muss. Sinnvoll ist vielmehr ein möglichst konstanter Abstand zur geplanten Schlafenszeit.

Was passiert, wenn man zu viel Melatonin nimmt?

Eine zu hohe Melatoninmenge kann vor allem zu einer verstärkten Schläfrigkeit und Benommenheit führen. Auch Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit können auftreten. Wurde deutlich mehr Melatonin als vorgesehen eingenommen oder treten ausgeprägte Beschwerden auf, sollte medizinischer Rat eingeholt werden. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder schweren Atemproblemen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.

Quellen und Studien

Für diesen Beitrag wurden unter anderem Fachinformationen, medizinische Leitlinien sowie wissenschaftliche Studien und Übersichtsarbeiten zu Melatonin ausgewertet.

  1. European Medicines Agency (EMA): Circadin Europäische Arzneimittelinformationen zu retardiertem Melatonin, Anwendung, Dosierung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
  2. National Center for Complementary and Integrative Health: Melatonin – What You Need to Know Überblick zur wissenschaftlichen Evidenz, Sicherheit und Anwendung von Melatonin.
  3. Systematische Übersichtsarbeit und Dosis-Wirkungs-Metaanalyse zu Melatonin Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Melatonin-Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Einschlaflatenz.
  4. Sletten et al.: Melatonin bei verzögerter Schlaf-Wach-Phase Randomisierte placebokontrollierte Studie zum Einfluss von Melatonin auf die Einschlafzeit bei verzögerter Schlaf-Wach-Phase.
  5. Systematische Übersichtsarbeit zu Melatonin bei chronischer Insomnie Bewertung der Wirksamkeit von Melatonin bei Erwachsenen mit chronischen Schlafproblemen.
  6. American Academy of Sleep Medicine: Clinical Practice Guideline for the Pharmacologic Treatment of Chronic Insomnia in Adults Leitlinie zur medikamentösen Behandlung chronischer Insomnie bei Erwachsenen.
  7. Systematische Übersichtsarbeit zur Sicherheit höherer Melatonin-Dosierungen Auswertung möglicher Nebenwirkungen bei höheren Melatonin-Dosierungen.
  8. Übersichtsarbeit zur langfristigen Sicherheit von Melatonin Zusammenfassung der verfügbaren Daten zur längerfristigen Anwendung von Melatonin.
  9. Langzeitanwendung von retardiertem Melatonin Untersuchung unter anderem zu Toleranzentwicklung, Absetzen und möglicher Rebound-Insomnie.
  10. JAMA: Quantity of Melatonin and CBD in Melatonin Gummies Sold in the US Untersuchung der tatsächlichen Melatoninmengen in in den USA angebotenen Melatonin-Gummis.

Vertrag widerrufen

Diese Seite verwendet Cookies für ein besseres Surferlebnis. Durch das Browsen auf dieser Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos