Autorin: Katharina Heinz (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA), Ernährungsberaterin und Pharmazieökonomin)
Inhaltliche Qualitätssicherung: Dr. rer. nat. Till Schumacher (Apotheker)
Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Von Zöliakie sind weltweit etwa 1 % der Bevölkerung betroffen, auch wenn den Betroffen über einen langen Zeitraum gar nicht bewusst ist, dass sie an Zöliakie leiden. Dies ist insbesondere darin begründet, dass die Symptome sehr unterschiedlich sein können und mit typischen Verdauungsbeschwerden bis hin zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit oder Hautproblemen einhergehen können.
Zöliakie: Auf einen Blick
Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der Gluten eine Entzündungsreaktion im Dünndarm auslöst. Dadurch können die Darmzotten geschädigt und die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigt werden.
Häufig sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit oder Gewichtsverlust. Auch Müdigkeit, Eisenmangel, Hautveränderungen, Kopfschmerzen oder Wachstumsstörungen bei Kindern können auftreten.
Die Abklärung erfolgt meist über Bluttests auf bestimmte Antikörper und gegebenenfalls eine Dünndarmbiopsie. Wichtig: Die Untersuchung sollte unter glutenhaltiger Ernährung erfolgen.
Die einzige wirksame Behandlung ist eine lebenslange, konsequent glutenfreie Ernährung. Betroffene müssen Gluten dauerhaft meiden, auch in kleinen Mengen oder durch Verunreinigungen.
Wann zum Arzt?
Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn wiederkehrende Verdauungsbeschwerden, unerklärliche Müdigkeit, Gewichtsverlust, Eisenmangel, Vitaminmangel oder Hautausschläge bestehen. Auch bei Kindern mit Wachstumsstörungen, Bauchschmerzen, chronischem Durchfall oder Gedeihstörungen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
- bei anhaltendem Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen oder Verstopfung
- bei unklarem Eisenmangel, Vitamin-B12-, Folsäure- oder Vitamin-D-Mangel
- bei Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder chronischer Müdigkeit
- bei Hautausschlag mit starkem Juckreiz, insbesondere bei Verdacht auf Dermatitis herpetiformis
- bei Kindern mit Wachstumsverzögerung, Gedeihstörung oder verspäteter Pubertät
- wenn Zöliakie in der Familie vorkommt
Wichtig: Bei Verdacht auf Zöliakie sollte Gluten nicht eigenständig aus der Ernährung gestrichen werden, bevor die Diagnostik abgeschlossen ist. Eine glutenfreie Ernährung kann Blutwerte und Gewebeproben unauffällig erscheinen lassen.
Was ist Zöliakie?
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem der Betroffenen reagiert überempfindlich auf das in Gluten enthaltene Eiweiß Gliadin und greift fälschlicherweise die eigene Darmschleimhaut an. Dabei werden insbesondere die sogenannten Zotten im Dünndarm geschädigt – winzige Ausstülpungen, die für die Nährstoffaufnahme verantwortlich sind. Bei dauerhaftem Glutenkontakt bilden sich diese Zotten zurück (Zottenatrophie), was zu einem Nährstoffmangel führen kann.
Die einzige wirksame Behandlung bei Zöliakie besteht in einer lebenslangen, strikt glutenfreien Ernährung. Dies ist notwendig, da bereits kleinste Mengen Gluten zu Beschwerden und Schäden führen können. Entsprechend ist eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente Umstellung der Ernährung für das Wohlbefinden sowie die langfristige Gesundheit der Betroffenen entscheidend.
Die Symptome der Glutenunverträglichkeit
Die Symptome einer Glutenunverträglichkeit sind nicht spezifisch und daher von Person zu Person sehr individuell. Die typischen Symptome betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt, sodass viele Betroffene über wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung klagen. Auch Übelkeit, Appetitlosigkeit und ein unangenehmes Völlegefühl nach dem Essen sind häufige Beschwerden. Da die Symptome mit anderen Verdauungsproblemen verwechselt werden können, wird eine Diagnose oft erschwert.
Darüber hinaus zeigt sich eine Glutenunverträglichkeit nicht nur im Verdauungssystem der Betroffenen. Es können sogenannte „atypische“ Symptome auftreten – darunter chronische Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen oder Hautausschläge wie die Dermatitis herpetiformis. Außerdem kann sich Zöliakie bei Kindern auch durch Wachstumsstörungen oder eine verspätete Pubertät bemerkbar machen. Da die Symptome bei Zöliakie äußerst vielfältig sind, sollte bei unklaren Beschwerden auch Zöliakie in Betracht gezogen werden.
Zöliakie: Diagnose
Die Diagnose von Zöliakie erfolgt meist in mehreren Schritten. Der erste Verdacht ergibt sich häufig durch typische oder unspezifische Beschwerden wie Verdauungsprobleme, chronische Müdigkeit oder einem Vitamin-B12-Mangel. Der Hausarzt oder ein Facharzt für Gastroenterologie lassen dann in der Regel eine Blutuntersuchung durchführen. Dabei wird geprüft, ob bestimmte Antikörper im Blut erhöht sind – vor allem sogenannte Transglutaminase-Antikörper (tTG-IgA). Ein positiver Antikörpertest ist ein deutlicher Hinweis auf Zöliakie, ersetzt aber nicht die endgültige Diagnose.
Zur sicheren Bestätigung wird meist eine Dünndarmbiopsie durchgeführt. Dabei werden unter örtlicher Betäubung kleine Gewebeproben aus dem Dünndarm entnommen und auf typische Veränderungen untersucht, etwa auf eine Rückbildung der Darmzotten. Wichtig ist: Diese Untersuchungen sollten unter einer normalen, glutenhaltigen Ernährung stattfinden, da sonst keine zuverlässigen Ergebnisse möglich sind. Eine Selbstdiagnose oder ein früher Verzicht auf Gluten ohne ärztlichen Rat kann die Diagnose erschweren oder sogar unmöglich machen.
Der Unterschied zwischen Glutenunverträglichkeit und Glutensensitivität
Viele Menschen sprechen von einer „Glutenunverträglichkeit“, wenn sie nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Müdigkeit verspüren. Tatsächlich gibt es jedoch zwei unterschiedliche Formen: Die Zöliakie – eine echte Autoimmunerkrankung – und die sogenannte nicht-zöliakische Glutensensitivität. Beide Erkrankungen gehen mit ähnlichen Symptomen einher, haben aber unterschiedliche Ursachen und Merkmale.
Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem auf Gluten, was zu einer nachweisbaren Schädigung der Darmschleimhaut führt. Dies lässt sich durch spezielle Bluttests und eine Dünndarmbiopsie eindeutig diagnostizieren. Im Gegensatz dazu zeigen Menschen mit Glutensensitivität zwar ebenfalls Beschwerden nach dem Verzehr von Gluten, aber ohne typische Antikörper im Blut und ohne Schädigungen im Darm. Die Glutensensitivität ist daher bislang eine Ausschlussdiagnose, bei der andere Ursachen wie Zöliakie oder eine Weizenallergie ausgeschlossen werden müssen. Die Behandlung ähnelt sich dennoch: Auch hier hilft häufig eine glutenfreie Ernährung, um die Beschwerden zu lindern – jedoch ist sie in der Regel nicht so strikt und lebenslang notwendig wie bei Zöliakie.
Die Behandlung der Zöliakie
Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit von Zöliakie besteht in einer lebenslangen, strikt glutenfreien Ernährung. Konkret heißt dies für die Betroffenen, dass alle Lebensmittel, die Weizen, Roggen, Gerste oder verwandte Getreidearten enthalten, gemieden werden müssen, da bereits kleinste Mengen Gluten Entzündungsreaktion im Darm auslösen können. Sofern eine konsequente glutenfreie Ernährung erfolgt, kann sich die Darmschleimhaut wieder regenerieren, wodurch sich die Symptome deutlich verbessern bzw. auch vollkommen verschwinden können.
Da Gluten nicht nur in den offensichtlichen Lebensmitteln wie Brot oder Pasta, sondern auch in vielen verarbeiteten Produkten wie z.B. Saucen, Fertiggerichten oder Süßwaren enthalten ist, kann ein vollständiger Verzicht auf Gluten eine kleine Herausforderung darstellen. Entsprechend ist ein Blick auf die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln ein Muss.
Zöliakie: Geeignete und ungeeignete Lebensmittel im Überblick
| Lebensmittelgruppe | Geeignet bei Zöliakie? | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Obst und Gemüse | Ja | Frisch und unverarbeitet sind Obst und Gemüse von Natur aus glutenfrei. |
| Fleisch, Fisch und Eier | Ja | Unverarbeitet glutenfrei; bei panierten, marinierten oder gewürzten Produkten Zutatenliste prüfen. |
| Milchprodukte | Meist ja | Naturbelassene Milchprodukte sind in der Regel glutenfrei; bei Fruchtjoghurt, Desserts oder Fertigprodukten Zutaten prüfen. |
| Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth | Ja | Geeignete glutenfreie Alternativen; bei Mehlen, Flocken oder Mischprodukten auf glutenfreie Kennzeichnung achten. |
| Hafer | Nur speziell gekennzeichnet | Hafer ist häufig durch Weizen, Roggen oder Gerste verunreinigt. Daher nur glutenfrei zertifizierten Hafer verwenden. |
| Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn | Nein | Diese Getreide enthalten Gluten und müssen bei Zöliakie konsequent gemieden werden. |
| Brot, Pasta, Pizza, Kuchen und Gebäck | Nur glutenfreie Varianten | Herkömmliche Produkte enthalten meist glutenhaltiges Getreide. Geeignet sind nur ausdrücklich glutenfreie Produkte. |
| Fertiggerichte, Soßen, Suppen, Wurstwaren und Süßigkeiten | Nur nach Prüfung | Gluten kann als Bindemittel, Verdickungsmittel oder durch Spuren enthalten sein. Zutatenliste und Allergenhinweise beachten. |
| Getränke | Abhängig vom Produkt | Wasser, Tee, Kaffee und viele Säfte sind meist unproblematisch. Bier und malzhaltige Getränke enthalten häufig Gluten. |
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Auslöser für Zöliakie?
Die genauen Ursachen für das Entstehen von Zöliakie sind noch nicht vollständig geklärt, allerdings sind sich Experten einig, dass sowohl genetische als auch äußere Faktoren eine Rolle spielen können. Bekannt ist auch, dass Menschen mit bestimmten Erbanlagen – vor allem den Genvarianten HLA-DQ2 und HLA-DQ8 – ein erhöhtes Risiko besitzen, um an Zöliakie zu erkranken.
Welche Lebensmittel dürfen bei Zöliakie gegessen werden?
Kurz und knapp: Es dürfen alle Lebensmittel bedenkenlos verzehrt werden, die kein Gluten enthalten. Dazu zählen natürlich glutenfreie Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Öle. Auch viele glutenfreie Getreidesorten wie Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa und Amaranth sind erlaubt und stellen eine gute Alternative dar.
Zudem gibt es inzwischen eine große Auswahl an speziell zertifizierten glutenfreien Lebensmittel wie zum Beispiel Brot, Nudeln, Mehlmischungen und Backwaren. Diese tragen oft das Symbol der durchgestrichenen Ähre und wurden unter strengen Bedingungen hergestellt. Unabhängig davon, sollte insbesondere bei verarbeiteten Lebensmitteln ein Blick auf die Zutaten geworfen werden.
Welche Lebensmittel sollten bei Zöliakie gemieden werden?
Alle Lebensmittel, die Gluten enthalten, müssen strikt gemieden werden. Dazu gehören Weizen und alle daraus hergestellten Produkte wie Brot, Kuchen, Pizza, Pasta, Paniermehl oder Mehl. Auch Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer und Einkorn enthalten Gluten und sind deshalb nicht geeignet für Menschen die an Zöliakie leiden.
Besondere Vorsicht ist zudem bei verarbeiteten Lebensmitteln geboten, da Gluten oft als Zusatzstoff oder Bindemittel enthalten ist – zum Beispiel in Soßen, Suppen, Wurstwaren oder Süßigkeiten. Auch Produkte mit dem Hinweis „kann Spuren von Gluten enthalten“ sollten gemieden werden, da bereits geringe Mengen ausreichen, um die Darmschleimhaut zu schädigen und Symptome auszulösen. Eine konsequente Kontrolle der Ernährung ist daher unerlässlich.
Hat Zöliakie Spätfolgen?
Wird Zöliakie nicht erkannt oder bleibt unbehandelt, kann die dauerhafte Entzündung der Darmschleimhaut zu ernsten Spätfolgen führen. Dazu zählen Mangelerscheinungen, insbesondere bei Eisen, Kalzium, Vitamin D, Vitamin B12 oder Folsäure, die wiederum zu Blutarmut, Osteoporose oder neurologischen Störungen führen können. Auch Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder Wachstumsstörungen bei Kindern können mögliche Folgen einer unbehandelten Zöliakie sein.
In seltenen Fällen erhöht eine langjährig nicht therapierte Zöliakie auch das Risiko für bestimmte Darmkrebserkrankungen oder Lymphome. Eine frühzeitige Diagnose sowie die konsequente Einhaltung einer glutenfreien Ernährung können die Risiken für Spätfolgen jedoch deutlich senken und den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.
Quellen und Studien
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