Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Diabetes mellitus Typ 2 gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen unserer Zeit. Dabei handelt es sich um eine Störung des Zuckerstoffwechsels, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Viele Betroffene merken zunächst wenig davon, denn Typ-2-Diabetes entwickelt sich häufig langsam und verursacht anfangs kaum typische Beschwerden.
Unbehandelt kann ein dauerhaft erhöhter Blutzucker Blutgefäße und Organe schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden, Sehstörungen und Nervenschäden deutlich erhöhen. Daher erfährst du im nachfolgenden Beitrag was Diabetes mellitus Typ 2 ist, was die Ursachen bzw. Risikofaktoren sind, wie die Diagnostik erfolgt und wie er behandelt werden kann.
Was ist Diabetes mellitus Typ 2?
Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Der Körper kann Zucker (Glukose) nicht mehr so nutzen, wie er es eigentlich sollte. Glukose ist ein wichtiger Energielieferant, der über die Nahrung ins Blut gelangt und mithilfe des Hormons Insulin aus dem Blut in die Körperzellen „eingeschleust“ wird.
Bei Typ-2-Diabetes liegt das Problem in der Regel nicht darin, dass kein Insulin vorhanden ist – zumindest nicht am Anfang. Viel häufiger reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin. Das nennt man Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse versucht das zunächst auszugleichen, indem sie mehr Insulin produziert. Auf Dauer kann sie diese Mehrleistung aber oft nicht aufrechterhalten, sodass die Insulinproduktion irgendwann nachlässt und der Blutzucker weiter steigt.
Typ-2-Diabetes entwickelt sich in vielen Fällen schleichend über Jahre. Deshalb bleibt er anfangs häufig unbemerkt. Gerade weil sich der Körper an erhöhte Werte „gewöhnt“, fehlen zunächst klare Warnsignale. Umso wichtiger ist es, das Prinzip dahinter zu verstehen: Typ-2-Diabetes ist nicht einfach nur „zu viel Zucker“, sondern eine komplexe Störung der Blutzuckerregulation, die unbehandelt verschiedene Organe und Gefäße schädigen kann.
Wichtig ist hierbei, dass Typ-2-Diabetes behandelbar ist und sich in frühen Stadien der Verlauf oft auch noch deutlich beeinflussen lässt.
Diabetes mellitus: Der Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2
Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 führen zwar beide zu erhöhten Blutzuckerwerten, entstehen aber auf ganz unterschiedliche Weise. Bei Diabetes mellitus Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Abwehrsystem greift die insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Dadurch fehlt Insulin fast vollständig – Betroffene sind von Beginn an auf Insulin-Injektionen angewiesen. Typ 1 tritt häufig im Kindes-, Jugend– oder jungen Erwachsenenalter auf, kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter entstehen.
Bei Diabetes mellitus Typ 2 steht hingegen zunächst eine Insulinresistenz im Vordergrund. Das bedeutet: Die Körperzellen reagieren schlechter auf das vorhandene Insulin. Um das auszugleichen, produziert die Bauchspeicheldrüse zunächst mehr Insulin. Im Laufe der Zeit erschöpft sie sich jedoch häufig, sodass sowohl die Wirkung als auch die Menge des Insulins nicht mehr ausreichen. Typ 2 tritt überwiegend im Erwachsenenalter auf, wird aber durch steigende Zahlen von Übergewicht und Bewegungsmangel mittlerweile auch bei jüngeren Menschen beobachtet.
Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt im Verlauf: Typ-1-Diabetes entwickelt sich meist relativ rasch mit deutlichen Symptomen. Typ-2-Diabetes entsteht dagegen oft schleichend über viele Jahre und bleibt lange unbemerkt, weil die Beschwerden zunächst mild oder unspezifisch sind.
Diabetes mellitus Typ 2: Ursachen
Diabetes mellitus Typ 2 entsteht häufig durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren – es gibt also nicht die eine Ursache. Im Zentrum steht fast immer eine sogenannte Insulinresistenz: Die Körperzellen reagieren zunehmend schlechter auf das Hormon Insulin. Dadurch kann Zucker aus dem Blut nicht mehr so gut in die Zellen aufgenommen werden, und der Blutzuckerspiegel steigt. Die Bauchspeicheldrüse versucht anfangs gegenzusteuern und produziert mehr Insulin. Dieser „Mehrbetrieb“ kann jedoch auf Dauer zu einer Erschöpfung der insulinproduzierenden Zellen führen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei Faktoren wie Übergewicht. Insbesondere Bauchfett begünstigt die Insulinresistenz, weil Fettgewebe Stoffe freisetzt, die die Wirkung von Insulin stören. Hinzu kommen häufig Bewegungsmangel und eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Getränken und großen Portionen. Auch Schlafmangel, chronischer Stress und Rauchen können den Stoffwechsel zusätzlich belasten und so die Entstehung von Typ-2-Diabetes fördern.
Neben dem Lebensstil spielt aber auch die erbliche Veranlagung eine Rolle. In einigen Familien tritt Typ-2-Diabetes häufiger auf, was darauf hinweist, dass bestimmte Gene das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen können. Eine genetische Veranlagung bedeutet jedoch keinesfalls, dass Typ-2-Diabetes in jedem Fall auftreten wird. Vielmehr gilt in diesen Fällen umso mehr auf ein normales Körpergewicht, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung zu achten.
Diabetes mellitus Typ 2: Symptome
Diabetes mellitus Typ 2 verursacht zu Beginn häufig kaum oder nur sehr unspezifische Beschwerden. Viele Betroffene fühlen sich vielleicht etwas müder als sonst, führen dies aber zunächst auf Stress, dem Alter oder Schlafmangel zurück. Gerade dieses schleichende, unauffällige Fortschreiten ist typisch: Der Blutzucker ist bereits deutlich erhöht, ohne dass es sofort zu klaren Warnsignalen kommt.
Zu den typischen Symptomen eines länger bestehenden, schlecht eingestellten Typ-2-Diabetes zählen unter anderem:
- Starker Durst (Polydipsie);
- Häufiges Wasserlassen (Polyurie);
- Ungewollter Gewichtsverlust;
- Ausgeprägte Müdigkeit und Leistungsabfall;
- Konzentrationsstörungen und allgemeines Schwächegefühl.
Weitere mögliche Symptome betreffen häufig die Haut sowie die Nerven:
- Trockene, juckende Haut;
- Hautirritationen;
- Schlechte Wundheilung (insbesondere an Füßen und Unterschenkeln);
- verschwommenes Sehen (kann sich im Tagesverlauf ändern);
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen an Händen und Füßen (Hinweis auf beginnende Nervenschädigungen);
- Neigung zu Infektionen (z.B. wiederkehrende Harnwegsinfekte oder Pilzinfektionen).
Bei Auftreten der genannten Symptome – insbesondere bei Übergewicht, Bewegungsmangel oder einer familiären Vorbelastung – sollte diese in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass eine frühe Diagnose es ermöglicht, rechtzeitig gegenzusteuern und Folgeerkrankungen vorzubeugen.
Diabetes mellitus Typ 2: Diagnostik
Die Diagnostik von Diabetes mellitus Typ 2 erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus einem Arztgespräch, einer körperlichen Untersuchung und einer gezielten Blutuntersuchungen.
Zunächst fragt der Arzt nach typischen Beschwerden wie Müdigkeit, vermehrtem Durst, häufigem Wasserlassen oder ungeklärtem Gewichtsverlust und erfasst gleichzeitig mögliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, familiäre Vorbelastung oder Bluthochdruck. Bereits hierbei kann sich der Verdacht auf eine Störung des Zuckerstoffwechsels ergeben.
Zur Sicherung der Diagnose werden dann die Blutzuckerwerte bestimmt. Häufig kommen dabei folgende Untersuchungen zum Einsatz: der Nüchternblutzucker (Messung nach mindestens achtstündiger Nahrungskarenz), der Gelegenheitsblutzucker (Messung unabhängig von der letzten Mahlzeit) und der orale Glukosetoleranztest (oGTT), bei dem nach dem Trinken einer Zuckerlösung der Blutzucker zu festgelegten Zeitpunkten gemessen wird. Zusätzlich wird oft der Langzeitblutzuckerwert HbA1c bestimmt. Dieser spiegelt wider, wie gut der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt eingestellt war. Die Grenzwerte dieser Messungen entscheiden darüber, ob ein Diabetes, eine Vorstufe (Prädiabetes) oder ein Normalbefund vorliegt.
Wichtig ist, dass auffällige Werte kontrolliert und im Zusammenhang mit der gesamten Situation der betroffenen Person bewertet werden. Ein einmalig erhöhter Blutzucker bedeutet nicht zwingend, dass sicher ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Faktoren wie akute Erkrankungen, Stress oder bestimmte Medikamente können die Werte vorübergehend beeinflussen. Daher werden bei Verdacht meist erneute Messungen oder ein oGTT veranlasst.
Darüber hinaus können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, insbesondere wenn der Diabetes bereits länger besteht oder zum Zeitpunkt der Diagnose schon sehr hohe Werte vorlagen. Hierzu zählen zum Beispiel die Untersuchung von Blutdruck, Blutfetten und der Nierenfunktion sowie regelmäßige Kontrollen von Augen und Füßen. Ziel ist hierbei, nicht nur die Diagnose zu stellen, sondern auch mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Diabetes mellitus Typ 2: Behandlung
Die Grundlage jeder Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 ist die Anpassung des Lebensstils. Dazu gehört eine ausgewogene, blutzuckerfreundliche Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie der Verzicht auf das Rauchen. Schon kleine, aber konsequent umgesetzte Veränderungen – etwa mehr Bewegung im Alltag, weniger zuckerhaltige Getränke und eine überwiegend pflanzenbetonte Kost – können die Blutzuckerwerte messbar verbessern und den Bedarf an Medikamenten verringern.
Reicht die Anpassung des Lebensstils allein nicht mehr aus, kommen blutzuckersenkende Medikamente zum Einsatz. Häufig wird zunächst ein orales Medikament (Metformin) verordnet, das die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert oder die Zuckerproduktion in der Leber reduziert. Bei unzureichender Einstellung können weitere Medikamente hinzugefügt werden, die zum Beispiel die Insulinfreisetzung unterstützen, die Aufnahme von Glukose im Darm bremsen oder die Zuckerausscheidung über die Nieren fördern. Welche Wirkstoffe konkret geeignet sind, hängt unter anderem von Vorerkrankungen, dem Körpergewicht, dem individuellen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Verträglichkeit ab.
Wenn die Bauchspeicheldrüse im Verlauf nicht mehr genug Insulin produziert oder die Blutzuckerwerte trotz Tabletten deutlich zu hoch bleiben, kann eine Therapie mit Insulin notwendig werden. Insulin kann in unterschiedlichen Schemata eingesetzt werden – von einer einmal täglichen Injektion eines Basalinsulins bis hin zu intensiveren Regimen mit mehreren Injektionen.
An dieser Stelle sei zur Einnahme von Metformin darauf hingewiesen, dass eine langfristige Metformin-Einnahme bei einigen Personen den Vitamin-B12-Spiegel senken kann. Ein ausgeprägter Vitamin-B12-Mangel kann wiederum unter anderem zu Blutarmut und Nervenschäden führen, die sich mit Symptomen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen bemerkbar machen. Wer Metformin über einen längeren Zeitraum einnimmt, sollte deshalb mit seinem behandelnden Arzt besprechen, ob und in welchen Abständen eine Kontrolle des Vitamin-B12-Spiegels sinnvoll ist und ob ggf. ein Vitamin-B12-Präparat eingenommen werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Ist Diabetes Typ 2 gefährlich?
Ja, Diabetes mellitus Typ 2 kann gefährlich sein – vor allem, wenn er nicht oder nur unzureichend behandelt wird. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt mit der Zeit Blutgefäße und Nerven. Das erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, kann die Nieren, Augen und Nerven beeinträchtigen und zu Wundheilungsstörungen bis hin zum diabetischen Fußsyndrom führen. Diese Folgen entwickeln sich meist schleichend über Jahre, werden aber umso wahrscheinlicher, je länger der Blutzucker schlecht eingestellt ist.
Was darf man bei Typ-2-Diabetes nicht essen?
Streng verbotene Lebensmittel gibt es bei Typ-2-Diabetes in der Regel nicht – entscheidend ist die Gesamtmenge und Häufigkeit. Problematisch sind vor allem stark zuckerhaltige Getränke (Limonaden, Energy-Drinks, gezuckerte Säfte), große Mengen Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Fast Food und sehr fettreiche, stark verarbeitete Speisen. Sie lassen den Blutzucker schnell ansteigen oder tragen zu Gewichtszunahme und ungünstigen Blutfettwerten bei. Diese Lebensmittel sollten daher nur selten und in kleinen Mengen verzehrt werden.
Empfohlen wird eine Ernährung, die den Blutzucker möglichst gleichmäßig ansteigen lässt: viel Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, ungesüßte Getränke, hochwertige pflanzliche Fette sowie maßvoll eingesetzte tierische Produkte.
Was passiert wenn man Typ-2-Diabetes ignoriert?
Wird Typ-2-Diabetes über längere Zeit ignoriert oder unzureichend behandelt, bleiben die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht. Das kann auf den ersten Blick scheinbar „gut gehen“, weil akute Beschwerden oft fehlen oder nur mild sind. Im Hintergrund schreitet die Schädigung von Gefäßen und Nerven jedoch langsam voran. Das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine, Nierenerkrankungen, Netzhautschäden am Auge und Nervenschäden (Neuropathien) steigt deutlich an.
Je länger der Blutzucker schlecht eingestellt ist, desto schwerer können diese Schäden ausfallen – viele davon lassen sich später nicht mehr vollständig rückgängig machen. Außerdem kann es häufiger zu Infektionen und schlecht heilenden Wunden kommen. In extremen Fällen drohen akute Stoffwechselentgleisungen, die lebensbedrohlich sein können.
Wirkt sich unbehandelter Diabetes Typ 2 auf die Lebenserwartung aus?
Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Typ-2-Diabetes kann die Lebenserwartung verkürzen. Grund dafür sind vor allem Folgeerkrankungen an Herz, Gefäßen, Nieren und anderen Organen, die im Laufe der Jahre entstehen können. Studien zeigen, dass Menschen mit anhaltend stark erhöhtem Blutzucker ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Komplikationen haben – und diese Erkrankungen sind häufige Ursachen für eine reduzierte Lebenserwartung.
Die gute Nachricht: Eine konsequente Behandlung und ein gesunder Lebensstil können dieses Risiko deutlich senken. Wer seinen Blutzucker, Blutdruck und die Blutfette gut einstellt, nicht raucht, auf sein Gewicht achtet und sich regelmäßig bewegt, hat heute oft eine nahezu normale oder nur leicht reduzierte Lebenserwartung – insbesondere, wenn der Diabetes früh erkannt wurde.

