Migräne

Kopfschmerzen

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Migräne ist mehr als „nur Kopfschmerz“. Das Gehirn gerät vorübergehend aus dem Gleichgewicht – mit Folgen, die den Alltag massiv beeinträchtigen können: pulsierende Schmerzen, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme und oft auch ein „Katergefühl“ danach. Viele Betroffene kennen dazu Frühzeichen oder erleben eine Aura mit Sehstörungen; andere nicht. Kurz: Migräne hat viele Gesichter.

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Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, bei der das Gehirn vorübergehend aus dem Gleichgewicht gerät. Typisch sind wiederkehrende Attacken mit heftigem, oft pulsierendem Kopfschmerz, der häufig einseitig beginnt und sich durch körperliche Aktivität verstärken kann. Viele Betroffene reagieren gleichzeitig empfindlich auf Licht, Geräusche oder Gerüche und fühlen sich während einer Attacke schlicht „aus dem Verkehr gezogen“.

Wichtig: Migräne ist mehr als „nur Kopfschmerz“! Häufig kommen Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Konzentrationsstörungen und eine starke Erschöpfung dazu. Einige Betroffene spüren außerdem Vorboten (sog. Prodrom-Symptome) oder erleben eine Aura mit Sehstörungen – andere wiederum nicht.

Die 4 Phasen der Migräne

Viele Anfälle lassen sich in vier Phasen einteilen: Prodrom (Frühwarnzeichen), Aura (bei einem Teil der Betroffenen), Kopfschmerzphase und Postdrom (die „Nachwehen“). Nicht jede Person durchläuft alle Phasen, und die Übergänge können fließend sein. Manchmal überspringt ein Anfall einzelne Abschnitte oder verläuft besonders kurz oder lang.

Nachfolgend gehen wir auf die vier Phasen der Migräne im Detail ein, was im täglichen Umgang mit Migräne eine Orientierung geben kann, jedoch nicht geeignet ist eine ärztliche Diagnose/Beratung zu ersetzen:

Prodrom

Das Prodrom ist die „Frühwarnphase“ und kann Stunden bis zu einem Tag vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten. Typische Hinweise sind Gähnen, Heißhunger oder Appetitverlust, häufiges Wasserlassen, Nackensteifigkeit, Licht– und/oder Geräuschempfindlichkeit und Stimmungsänderungen (gereizt, niedergeschlagen oder ungewöhnlich energiegeladen). Viele beschreiben auch Konzentrationsschwäche oder das Gefühl, „neben sich zu stehen“.

Diese Symptome sind keine Einbildung: In dieser Phase verändern sich bereits Hirnstoffwechsel, Hormonhaushalt und Stressregulation. Manchmal lassen sich auch Auslöser identifizieren – zum Beispiel ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Schlaf (siehe: Schlafstörungen), ein übervoller Tag oder bestimmte Lebensmittel und Gerüche.

Wer seine Vorboten erkennt, kann gegensteuern: regelmäßig trinken, eine kleine kohlenhydratreiche Mahlzeit essen, kurze Pausen einlegen, Bildschirmzeit reduzieren, frische Luft schnappen oder Entspannungstechniken nutzen. Nach ärztlicher Absprache kann ein frühzeitiger, bedarfsgerechter Medikamenteneinsatz die Attacke ebenfalls abmildern.

Aura

Bei einem Teil der Betroffenen folgt auf das Prodrom eine Aura. Am häufigsten sind Sehstörungen: flimmernde Zickzacklinien, Lichtblitze, „blinde Flecken“ oder das Gefühl, als schaue man durch Wasser. Möglich sind auch Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Hand, Arm oder Gesicht, Sprachfindungsstörungen oder selten Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.

Aurasymptome entwickeln sich typischerweise allmählich und wandern – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen, akut bedrohlichen Ursachen. Meist dauern sie weniger als eine Stunde und gehen anschließend in die Kopfschmerzphase über, können aber auch ohne anschließenden Kopfschmerz auftreten.

Während einer Aura sind Ruhe, Schutz vor starkem Licht und eine sichere Umgebung wichtig. Wer regelmäßig Auren hat, weiß oft, was hilft: Augen schließen, sanfte Atmung, Reize reduzieren. Treten Aurasymptome erstmals auf, sind ungewöhnlich stark, halten ungewöhnlich lange an oder kommen Lähmungen hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Kopfschmerzphase

Die Kopfschmerzphase ist das, was viele mit Migräne verbinden: ein starkes, meist pulsierendes, oft einseitiges Schmerzgeschehen, das sich bei Bewegung, Treppensteigen oder Bücken verstärken kann. Hinzu kommen häufig Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie eine ausgeprägte Licht-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit. Nicht selten zieht der Schmerz vom Nacken in den Kopf oder wechselt die Seite.

Ein reizarmes Umfeld hilft: abgedunkelter, ruhiger Raum, kühle Kompressen, ausreichend Flüssigkeit und Schlaf, wenn möglich. Auch sanfte Reize wie leise Musik, leichtes Dehnen des Nackens oder Achtsamkeitsübungen empfinden manche Betroffene als lindernd.

Medikamente sollten individuell und ärztlich begleitet eingesetzt werden – etwa geeignete Schmerzmittel oder spezielle Migränemittel (z. B. Triptane). Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt (möglichst früh in der Attacke) und die richtige Dosierung, um Folgebeschwerden (z.B. Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch) zu verhindern.

Postdrom

Ist der Kopfschmerz vorbei, fühlen sich viele noch nicht beschwerdefrei. Das Postdrom – umgangssprachlich „Migräne Hangover“ – kann Stunden bis einen Tag andauern. Typisch sind bleierne Müdigkeit, Benommenheit, „Gehirnnebel“, Nackenschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder auch eine ungewöhnliche Erleichterung und Hochstimmung. Der Körper kehrt langsam in den Normalmodus zurück.

In dieser Phase sollte ausreichend getrunken und leicht verdauliche Nahrung verzehrt werden. Zudem helfen kleine Spaziergänge und ein kurzer Mittagsschlaf. Auch sollte der Terminkalender nicht gleich wieder vollgepackt werden.

Migräne: Ursachen

Migräne hat selten eine einzige Ursache – sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Veranlagung und alltäglichen Einflüssen. Menschen mit Migräne besitzen ein empfindlicheres „Alarm­system“ im Gehirn: Sinnesreize, Stress und innere Rhythmen werden schneller als störend bewertet. Wird eine persönliche Reizschwelle überschritten, beginnt ein Migräneanfall.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Grundanfälligkeit und Triggern. Die Anfälligkeit ist meist genetisch mitbedingt und bleibt bestehen; Trigger wie Schlafmangel, Hormonwechsel, starke Gerüche, Alkohol oder das Auslassen von Mahlzeiten bringen das System in Schieflage. Ohne Anfälligkeit würden die gleichen Reize meist folgenlos bleiben.

Im Körper läuft dabei eine Kaskade ab: Schmerznerven des Trigeminus werden aktiv, Blutgefäße und Hirnhäute reagieren, Botenstoffe wie Serotonin oder CGRP verändern sich. Das erklärt, warum Migräne nicht „nur Kopfschmerz“ ist, sondern oft mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit einhergeht – und warum Medikamente, die diese Signalwege dämpfen, helfen können.

Migräne Ursachen: Nacken

Der Nacken ist eng mit dem Kopfschmerzsystem verbunden. Nerven aus der oberen Halswirbelsäule und der Gesichtsnerv (Trigeminus) treffen in einem gemeinsamen Bereich zusammen. Reize aus verspannter Muskulatur, starrer Bildschirmhaltung oder ungünstiger Schlafposition können daher Migränemechanismen fördern oder als frühes Warnzeichen auftreten.

Dabei ist der Nacken selten die alleinige „Wurzel“ des Problems. Häufig sind Nackenschmerzen Teil der Attacke: Schon im Frühstadium verkrampft die Muskulatur, was den Schmerz dann weiter verstärkt – ein Kreislauf entsteht. Deshalb helfen schnelle, harte Eingriffe oft wenig; wirksamer ist eine Kombination aus Reizreduktion, Bewegung und guter Akutbehandlung.

Migräne Ursachen: Hormone

Hormone – besonders Östrogen – beeinflussen die Reizschwelle deutlich. Kurz vor der Menstruation fällt der Östrogenspiegel ab; genau dann treten Attacken bei vielen Betroffenen häufiger und ausgeprägter auf. Auch um den Eisprung, in der Pubertät oder in den Wechseljahren können starke Schwankungen das Migränesystem triggern.

Während der Schwangerschaft berichten viele, vor allem ohne Aura, über eine Besserung ab dem zweiten Trimester – die Hormonlage ist dann stabil. Nach der Geburt kippt das Gleichgewicht durch Schlafmangel und fallende Spiegel häufig wieder, bevor es sich einpendelt. In der Perimenopause sind die Verläufe gemischt; nach Abschluss der Wechseljahre bessert sich Migräne bei einigen, bei anderen bleibt sie bestehen.

Hormonelle Verhütung und Hormonersatz können Migräne beeinflussen – mal positiv, mal negativ. Bei Migräne mit Aura müssen östrogenhaltige Präparate sorgfältig abgewogen werden. Sinnvoll ist eine individuelle Strategie: Zyklusbeobachtung, ggf. kurzzeitige prophylaktische Maßnahmen um die Periode herum, und eine enge ärztliche Abstimmung zu Präparaten und Dosierungen.

Migräne Ursachen Ernährung

Ernährung ist selten die Grundursache, aber sie kann die Schwelle für eine Attacke senken. Häufige Faktoren sind lange Nüchternzeiten, stark schwankender Blutzucker und zu wenig trinken. Viele Anfälle beginnen an arbeitsreichen Tagen am späten Vormittag oder Nachmittag – genau dann, wenn Energie und Flüssigkeit knapp werden.

Einige Menschen reagieren zudem auf bestimmte Lebensmittel. Häufig genannt werden Alkohol (besonders Rotwein), sehr gereifte Käse (Tyramin), nitritreiche Wurstwaren, stark gewürzte/geschmacksverstärkte Speisen, histaminreiche Kost sowie Koffeinschwankungen – sowohl Übermaß als auch plötzlicher Entzug. Diese Effekte sind individuell; was eine Person triggert, bleibt bei einer anderen ohne Wirkung.

Hilfreich ist ein Tagebuch, das nicht nur Lebensmittel, sondern auch Uhrzeiten, Schlaf, Stress und Trinkmenge erfasst. Ziel ist Regelmäßigkeit: drei ausgewogene Mahlzeiten, bei Bedarf kleine Snacks, ausreichend Wasser oder ungesüßter Tee und ein konstanter, moderater Koffeinkonsum. Strenge Verbote sind selten nötig – wichtiger ist, persönliche Auslöser zu kennen und insgesamt frisch, abwechslungsreich und bedarfsdeckend zu essen.

Welche Migräne Arten gibt es?

Migräne ist nicht gleich Migräne. Fachleute unterscheiden vor allem, ob eine Aura vorkommt oder nicht, wie häufig die Attacken auftreten und ob besondere Begleitsymptome im Vordergrund stehen. So entsteht ein Spektrum von Formen – von der „klassischen“ Migräne bis zu speziellen, seltenen Varianten.

Grob lässt sich Migräne wie folgt einteilen: Es gibt Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura, außerdem chronische Migräne (sehr häufige Anfälle) sowie Sonderformen wie vestibuläre, retinale oder hemiplegische Migräne. Manche Typen hängen stark mit Hormonschwankungen zusammen, etwa die menstruelle Migräne.

Migräne mit Aura

Bei der Migräne mit Aura treten vor oder zu Beginn der Kopfschmerzphase neurologische Symptome auf. Häufig sind das Sehstörungen wie flimmernde Zickzacklinien, Lichtblitze oder blinde Flecken; möglich sind auch Kribbeln oder Taubheit, Sprachstörungen oder selten Schwindel. Die Zeichen bauen sich meist langsam über Minuten auf und klingen innerhalb einer Stunde wieder ab.

Typisch ist die Abfolge: erst Aura, dann Kopfschmerz – sie kann aber variieren. Manchmal bleibt der Kopfschmerz milde oder fehlt ganz, die Reizempfindlichkeit und Erschöpfung können dennoch deutlich sein. Viele Betroffene lernen, die Aura als Frühwarnsignal zu nutzen, um Reize zu reduzieren und Behandlungsstrategien früh einzusetzen.

Weil eine Aura neu auftreten oder sich verändern kann, gehört eine ärztliche Abklärung dazu – besonders beim ersten Mal oder wenn Lähmungen, lang anhaltende Ausfälle oder sehr ungewöhnliche Symptome hinzukommen.

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form. Der Kopfschmerz beginnt ohne vorherige neurologische Vorzeichen, oft einseitig, pulsierend oder bohrend und verstärkt sich bei körperlicher Aktivität. Häufig kommen Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Nackenverspannungen hinzu.

Auch ohne Aura gibt es häufig Frühzeichen Stunden zuvor: ungewöhnliches Gähnen, Heißhunger, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsprobleme. Wer diese Signale erkennt, kann sie nutzen, um Pausen einzuplanen, zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen oder – nach ärztlicher Rücksprache – frühzeitig Medikamente einzusetzen.

Retinale Migräne

Bei der retinalen Migräne kommt es zu vorübergehenden Sehstörungen an nur einem Auge: flackernde Lichter, graue Schatten oder kurzzeitige Erblindung der betroffenen Seite. Diese Phase hält meist Minuten bis maximal eine Stunde an und kann von Kopfschmerz begleitet sein – muss aber nicht.

Wichtig ist die Abgrenzung zur typischen visuellen Aura, die meist beide Augen betrifft (also im Gesichtsfeld, nicht im einzelnen Auge wahrgenommen wird). Monokulare Ausfälle müssen immer ärztlich abgeklärt werden, da auch Augenerkrankungen oder Durchblutungsstörungen dahinter stecken können.

Ophthalmoplegische Migräne

Die sogenannte „ophthalmoplegische Migräne“ wird heute oft als rezidivierende schmerzhafte ophthalmoplegische Neuropathie bezeichnet. Nach Kopfschmerzen treten Lähmungen einzelner Augenmuskeln auf – typischerweise hängt das Oberlid, das Auge steht schief oder die Pupille reagiert anders. Es handelt sich um eine sehr seltene Form.

Weil ähnliche Beschwerden auch durch Gefäßveränderungen oder Entzündungen entstehen können, ist eine gründliche neurologische und augenärztliche Abklärung einschließlich Bildgebung wichtig. Häufig betrifft die Störung den dritten Hirnnerv, der die meisten Augenmuskeln steuert.

Vestibuläre Migräne

Die vestibuläre Migräne äußert sich vor allem durch Schwindelattacken: Dreh- oder Schwankschwindel, das Gefühl, der Boden bewege sich, oft begleitet von Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen. Kopfschmerzen können gleichzeitig auftreten, müssen es aber nicht.

Typisch ist, dass der Schwindel Minuten bis Stunden anhält und in Episoden wiederkehrt. Viele Betroffene berichten über Reizempfindlichkeit, Bewegungskrankheit seit Kindheit oder eine Familiengeschichte mit Migräne. Zwischen den Attacken sind Untersuchungen häufig unauffällig.

Familiäre hemiplegische Migräne

Die familiäre hemiplegische Migräne (FHM) ist eine seltene, genetische Form. Während der Aura kommt es neben Sehstörungen häufig zu einseitiger Schwäche oder Lähmung von Arm, Bein oder Gesicht – daher „hemiplegisch“. Die Symptome entwickeln sich meist allmählich und bilden sich wieder zurück.

In betroffenen Familien tritt die Erkrankung über Generationen gehäuft auf. Ursache sind Veränderungen in Genen, die die Erregbarkeit von Nervenzellen steuern. Weil die Symptome einem Schlaganfall ähneln können, ist bei neuen oder besonders ausgeprägten Episoden eine sofortige medizinische Abklärung wichtig.

Chronische Migräne

Von chronischer Migräne spricht man, wenn über mindestens drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen bestehen, davon mindestens 8 Tage mit Migräneeigenschaften. Die Erkrankung belastet stark: Arbeit, Familie, Schlaf und Stimmung leiden oft erheblich.

Häufig spielt Medikamentenübergebrauch eine Rolle: Werden Akutmittel an sehr vielen Tagen genommen, können sie selbst zu Kopfschmerzen führen. Eine ärztlich begleitete Reduktion und eine vorbeugende Therapie helfen, aus dem Kreislauf herauszukommen.

Menstruelle Migräne

Die menstruelle Migräne hängt eng mit Östrogenschwankungen zusammen. Häufig treten Attacken in den zwei Tagen vor der Blutung und den ersten drei Tagen der Periode auf. Sie sind oft länger und schwerer zu behandeln als sonstige Anfälle.

Man unterscheidet eine reine menstruelle Migräne (nur rund um die Periode) von einer menstruationsassoziierten Migräne (zusätzlich auch zu anderen Zeiten). Ein Zyklus- und Kopfschmerztagebuch hilft, um Muster zu erkennen.

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Migräne: Behandlung

Die Behandlung von Migräne besteht aus drei Säulen:

  • Akuttherapie,
  • Vorbeugung und
  • Alltagsmanagement.

In der Akutphase geht es darum, die Attacke so früh wie möglich zu bremsen und die Reizüberflutung zu reduzieren. Dazu zählen Ruhe in einem abgedunkelten, leisen Raum, ausreichend Flüssigkeit und geeignete Medikamente. Klassische Schmerzmittel können helfen; bei ausgeprägteren Anfällen kommen spezifische Migränemittel wie Triptane oder – je nach Situation – neuere Wirkstoffe aus der Gruppe der Gepants oder Ditane in Frage. Was wirkt, ist sehr individuell und gehört in ärztliche Begleitung.

Die Vorbeugung zielt darauf ab, Häufigkeit und Stärke der Anfälle zu senken. Je nach Profil werden z. B. Betablocker, Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva oder Blutdrucksenker eingesetzt. Bei häufigen oder schweren Attacken stehen zudem moderne, auf das Botenstoffsystem CGRP zielende Therapien zur Verfügung (als Spritze oder Infusion). Ergänzend können Entspannungsverfahren, Ausdauertraining und kognitive Strategien die persönliche „Reizschwelle“ erhöhen.

Zum Alltagsmanagement gehören regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten, ausreichend Trinken, kluge Bildschirm- und Pausenrhythmen, Stressmanagement und das Führen eines Kopfschmerztagebuchs. Dieses hilft, Muster zu erkennen und Therapieentscheidungen zu steuern. Als Faustregel gilt: Wer über mehrere Monate an vier oder mehr Migränetagen pro Monat leidet, Attacken schlecht in den Griff bekommt oder stark im Alltag eingeschränkt ist, profitiert meist von einer gezielten Prophylaxe und einer strukturierten Behandlungsplanung.

Migräne Behandlung: Spritze

Unter „Migräne-Spritze“ verstehen viele die CGRP-Antikörper, eine moderne, vorbeugende Therapie. Diese Medikamente neutralisieren den Botenstoff CGRP oder blockieren seinen Rezeptor – ein Signalweg, der bei Migräneattacken überaktiv ist. Sie werden in der Regel einmal monatlich oder vierteljährlich unter die Haut gespritzt (teils auch als Infusion verabreicht) und können Zahl und Schwere der Anfälle deutlich reduzieren. Häufige Nebenwirkungen sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle; selten treten Verstopfung oder Überempfindlichkeitsreaktionen auf.

Eine zweite Injektionsmöglichkeit sind Nervenblockaden, z. B. des Hinterhauptnervs (Okzipitalnerv). Dabei wird ein Lokalanästhetikum, teils kombiniert mit einem Kortisonpräparat, neben den betroffenen Nerv gespritzt. Das kann eine hartnäckige Attacke abbremsen oder eine Serie von Anfällen durchbrechen. Der Effekt ist zeitlich begrenzt und eignet sich vor allem als Überbrückung in schwierigen Phasen oder ergänzend zu einer Prophylaxe.

Migräne Behandlung: Botox

OnabotulinumtoxinA (Botox) ist speziell für die chronische Migräne zugelassen – also bei Kopfschmerzen an sehr vielen Tagen im Monat, von denen ein Teil migränetypisch ist. Das Präparat wird in zahlreiche kleine Injektionspunkte an Stirn, Schläfen, Hinterkopf und Nacken gespritzt. Ziel ist nicht eine kosmetische Glättung, sondern die Reduzierung überaktiver Schmerz- und Muskelspannungsnetze.

Der Effekt baut sich stufenweise auf: Oft werden nach der ersten Behandlung Verbesserungen spürbar, die volle Wirkung zeigt sich jedoch meist nach zwei bis drei Behandlungszyklen. Die Injektionen werden im Abstand von etwa 12 Wochen wiederholt. Häufige Nebenwirkungen sind vorübergehende Druckempfindlichkeit, leichte Nackenmüdigkeit oder Kopfschwere; selten kann ein hängendes Lid oder eine verspannte Haltung auftreten, was sich in der Regel zurückbildet.

Migräne Behandlung: Physiotherapie

Physiotherapie kann Migräne nicht „wegmassieren“, aber sie kann die Reizlast senken und Begleitsymptome lindern – besonders, wenn Nackenverspannungen, Haltungsprobleme oder viel Bildschirmarbeit eine Rolle spielen. Ein guter Start ist eine individuelle Befundung: Wie beweglich sind Hals- und Brustwirbelsäule? Wo sitzt die muskuläre Dysbalance? Welche Alltagsmuster (z. B. lange statische Sitzhaltungen) feuern das System an?

Darauf aufbauend helfen aktive Maßnahmen am meisten: gezielter Aufbau der tiefen Hals- und Schulterblattmuskulatur, Mobilisations- und Dehnprogramme, Atem- und Haltungsschulung sowie Mikropausen-Techniken für den Arbeitsalltag. Manuelle Therapie, Triggerpunkt- oder myofasziale Techniken können ergänzend Spannungen lösen – wichtig ist, dass danach Bewegung folgt, damit der Effekt anhält.

Bei vestibulärer Migräne sind spezielle Gleichgewichts- und Blickstabilisierungsübungen sinnvoll, die schrittweise angetriggert werden, ohne das System zu überfordern. Gute Physiotherapie arbeitet reizmindern, dosiert und in Abstimmung mit der medizinischen Behandlung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die schwerste Form der Migräne?

„Schwer“ kann zweierlei bedeuten: besonders häufig oder besonders belastend pro Attacke. Als schwer gilt daher vor allem die chronische Migräne: Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat über mindestens drei Monate, davon mindestens 8 mit Migräne-Eigenschaften. Diese Form greift stark in Arbeit, Familie und Schlaf ein und braucht eine konsequente, fachärztlich begleitete Vorbeugung.

Sehr belastend ist auch der Status migränosus: eine Attacke, die länger als 72 Stunden anhält oder immer wieder aufflammt. Hier sind eine gute Akutbehandlung, ausreichende Flüssigkeit, Reizabschirmung und bei Bedarf ärztliche Hilfe wichtig. Seltene Sonderformen wie hemiplegische Migräne (mit vorübergehender Lähmung) oder retinale Migräne (Sehstörungen an einem Auge) wirken dramatisch und müssen wegen möglicher Verwechslung mit anderen Erkrankungen immer ärztlich abgeklärt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Attacken. Typisch sind mittelstarke bis sehr starke, oft pulsierende Schmerzen, meist einseitig, die sich durch Bewegung verstärken. Häufig treten Übelkeit, Licht-/Lärmempfindlichkeit und Konzentrationsprobleme auf. Eine Attacke dauert ohne Behandlung meist 4–72 Stunden und verläuft oft in Phasen (Vorboten, ggf. Aura, Kopfschmerz, „Katerphase“).

Kopfschmerzen im allgemeinen Sinn – insbesondere Spannungskopfschmerzen – sind meist beidseitig, drückend oder „bandförmig“, eher leicht bis mittelstark und werden durch Bewegung nicht stärker. Übelkeit fehlt in der Regel, Licht und Lärm sind höchstens leicht unangenehm. Während Spannungskopfschmerzen häufig mit Pausen, Flüssigkeit, etwas Bewegung und einfachen Schmerzmitteln rasch besser werden, benötigen Migräneattacken oft eine gezielte Migräne-Therapie und Reizreduktion.

Was ist stille Migräne?

„Stille Migräne“ meint die typische Aura ohne Kopfschmerz. Betroffene erleben z. B. flimmernde Zickzacklinien, Lichtblitze, blinde Flecken, Kribbeln oder Sprachstörungen – die Zeichen bauen sich über Minuten auf und klingen meist innerhalb einer Stunde ab, ohne dass danach Kopfschmerzen folgen.

Hilft Zucker bei Migräne?

Zucker heilt keine Migräne. Manchmal kann eine kleine, leicht verdauliche Kohlenhydrat-Portion (z. B. Banane, Toast, Joghurt) sinnvoll sein, wenn eine Attacke durch Unterzuckerung oder langes Nüchternsein mitgetriggert wurde. Dann stabilisiert ein Snack zusammen mit Flüssigkeit den Kreislauf und kann die weitere Eskalation bremsen.

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