Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Bluthochdruck gehört zu den häufigsten Gesundheitsrisiken – auch deshalb, weil er lange Zeit ohne spürbare Beschwerden verläuft. Viele Betroffene leiden häufig an keinerlei Symptomen, während Herz, Gefäße und andere Organe durch den sog. „stillen Killer“ bereits dauerhaft belastet werden. Im nachfolgenden Beitrag gehen wir u.a. darauf ein welche Werte von Relevanz sind, wie die Diagnostik erfolgt und was die Ursachen von Bluthochdruck sind.
Bluthochdruck: Definition
Bluthochdruck (auch: arterielle Hypertonie) liegt vor, wenn der Druck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Ausreißer (Blutdruck schwankt im Alltag), sondern wiederholt gemessene, erhöhte Werte über einen gewissen Zeitraum.
Zur Orientierung, ob Bluthochdruck vorliegt, sind die geltenden Grenzwerte zu berücksichtigen. Gemäß Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei Erwachsenen Bluthochdruck vor, wenn ein Blutdruck von 140/90 mmHg oder höher gemessen wird.
Was genau ist der Blutdruck?
Der Blutdruck ist der Druck, mit dem das Blut gegen die Wände der Arterien drückt. Er entsteht, weil das Herz Blut in den Kreislauf pumpt und die Gefäße dem Blutstrom einen Widerstand entgegensetzen. So wird sichergestellt, dass Organe wie Gehirn, Nieren und Muskeln kontinuierlich mit Sauerstoff versorgt werden.
Gemessen wird Blutdruck anhand von zwei Werten: systolisch (oberer Wert) und diastolisch (unterer Wert). Systolisch ist der Druck, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut auswirft; diastolisch ist der Druck in der Entspannungsphase zwischen zwei Herzschlägen.
Zu beachten ist, dass der Blutdruck dynamisch ist und im Tagesverlauf schwankt – etwa durch körperliche Aktivitäten, Stress, Schmerz, Schlafmangel, Koffein oder Nikotin. Für aussagekräftige Messungen bzw. zur Beurteilung ob Bluthochdruck vorliegt sind daher standardisierte Bedingungen (ruhig sitzen, passende Manschette, mehrere Messungen) und wiederholte Messungen wichtig.
Werte
Zur Einordnung werden Blutdruckwerte in Kategorien eingeteilt. Diese Klassifikation dient als Orientierung und ist Grundlage dafür, Risiko und Behandlungsbedarf einzuordnen.
| Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) |
|---|---|---|
| Optimal | <120 | <80 |
| Normal | 120-129 | 80-84 |
| Hoch-normal | 130-139 | und/oder 85-89 |
| Hypertonie Grad 1 | 140-159 | und/oder 90-99 |
| Hypertonie Grad 2 | 160-179 | und/oder 100-109 |
| Hypertonie Grad 3 | >180 | und/oder >100 |
Bei einer Blutdruckselbstmessung zu Hause wird häufig eine Schwelle von ≥ 135/85 mmHg verwendet, da bei der Messung zu Hause die Werte im Mittel niedriger ausfallen als in einer Arztpraxis (Weißkittelsyndrom).
Primäre Hypertonie
Von primärer Hypertonie spricht man, wenn sich keine eindeutige organische Ursache für die erhöhten Blutdruckwerte nachweisen lässt. Das ist der Regelfall: Bei etwa 90 % der Betroffenen findet sich keine einzelne, klar benennbare Grunderkrankung als Auslöser.
Primäre Hypertonie entsteht meist multifaktoriell, also durch das Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Einflüssen wie Körpergewicht, Bewegungsmangel, Salz- und Alkoholkonsum, Stress und Schlafqualität. Oft entwickeln sich erhöhte Werte schleichend und bleiben lange unbemerkt.
Eine primäre Hypertonie bedeutet dabei nicht, dass der Bluthochdruck unproblematisch ist, da keine organische Ursache vorliegt, sondern beschreibt lediglich eine fehlende eindeutige Einzelursache. Gerade deshalb ist ein strukturiertes Vorgehen wichtig wie eine Anpassung des Lebensstils, regelmäßige Verlaufskontrollen und – falls erforderlich – eine medikamentöse Einstellung des Blutdrucks.
Sekundäre Hypertonie
Sekundäre Hypertonie liegt vor, wenn Bluthochdruck die Folge einer Erkrankung bzw. eines klaren Auslösers ist. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass etwa 5–10 % der Menschen mit Bluthochdruck an einer sekundären Hypertonie leiden.
Zu den häufigen Ursachen der sekundären Hypertonie zählen Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen (z. B. primärer Hyperaldosteronismus) und obstruktive Schlafapnoe. Auch Medikamente wie z.B. bestimmte Schmerzmittel (NSAR) oder Kortisonpräparate können den Blutdruck erhöhen und gelten damit als möglicher blutdrucksteigernder Faktor.
Bluthochdruck: Ursachen
Die Ursachen von Bluthochdruck sind in den meisten Fällen nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Häufig entsteht er über Jahre durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Alterungsprozessen der Gefäße und einem ungesunden Lebensstil. Gerade weil die Entwicklung schleichend verläuft, bleibt Bluthochdruck oft lange unbemerkt.
Zu den wichtigsten begünstigenden Faktoren zählen ein dauerhaftes Übergewicht (insbesondere Bauchfett), Bewegungsmangel und eine salzreiche Ernährung. Auch regelmäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und anhaltender Stress können den Blutdruck ungünstig beeinflussen. Zusätzlich spielt der Schlaf eine wesentliche Rolle: Schlafmangel und vor allem eine obstruktive Schlafapnoe (wiederholte Atemaussetzer) erhöhen das Risiko für dauerhaft erhöhte Werte.
Ein einzelner hoher Messwert hat häufig nur eine vorübergehende Ursache (z. B. Stress, Schmerzen, Koffein, Nikotin, körperliche Belastung kurz vor der Messung). Wenn die Werte jedoch wiederholt erhöht sind oder Beschwerden vorliegen, sollte immer ärztlich Abklärung erfolgen.
Bluthochdruck: Symptome
Bluthochdruck ist tückisch, weil er häufig keine spürbaren Symptome verursacht – selbst dann nicht, wenn die Werte bereits über längere Zeit erhöht sind. Deshalb wird Hypertonie oft als „stiller Killer“ bezeichnet: Viele Betroffene fühlen sich leistungsfähig und gesund, obwohl die Gefäße und Organe belastet werden.
Wenn doch Beschwerden auftreten, sind sie in der Regel unspezifisch und lassen sich nicht eindeutig dem Blutdruck zuordnen. Möglich sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen/Tinnitus, Nasenbluten, Herzklopfen oder eine gewisse innere Unruhe. Solche Symptome können zwar im Zusammenhang mit erhöhtem Blutdruck stehen, müssen es aber nicht und treten häufig auch bei ganz anderen Ursachen auf.
Gerade weil etwaige Symptome kein zuverlässiger Frühwarnindikator sind, gilt: Sicherheit geben nur regelmäßige Blutdruckmessungen (z. B. im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, Messungen zu Hause oder per 24-Stunden-Messung). Wer wiederholt erhöhte Werte misst, sollte dies ärztlich abklären lassen auch wenn keine Beschwerden bestehen.
Vom klassischen Bluthochdruck abzugrenzen ist eine akute, sehr starke Blutdruckerhöhung (hypertensive Krise). Wenn Werte etwa ≥ 180/120 mmHg erreicht werden und gleichzeitig Warnzeichen auftreten – z. B. Brustschmerzen, Atemnot, starke Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle (z. B. Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen), Sehstörungen – sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden!
Bluthochdruck: Diagnostik
Die Diagnostik von Bluthochdruck verfolgt im Kern drei Ziele:
- erhöhte Werte zuverlässig zu bestätigen
- das individuelle kardiovaskuläre Risiko einzuordnen und
- mögliche sekundäre Ursachen oder Folge-/Begleiterkrankungen (Zielorganschäden) zu erkennen.
Am Anfang steht die korrekte Blutdruckmessung. In der Praxis wird in der Regel mehrfach gemessen (nach kurzer Ruhephase, mit passender Manschette, in entspannter Sitzposition). Für eine verlässliche Messung spielen kleine Details eine große Rolle, um Messfehler zu vermeiden:
- vor der Messung einige Minuten ruhig sitzen,
- nicht sprechen,
- Arm auf Herzhöhe,
- Beine nicht überkreuzen.
Da sich Praxiswerte durch Aufregung erhöhen können (Weißkittelsyndrom) oder umgekehrt außerhalb der Praxis höhere Werte auftreten können (maskierte Hypertonie), wird eine Bestätigung durch Messungen außerhalb der Arztpraxis empfohlen. Das kann entweder über eine 24-Stunden-Blutdruckmessung oder über Messungen zu Hause erfolgen.
Ist die Hypertonie bestätigt, folgt die Basisabklärung, um Risiken und mögliche Organschäden früh zu erkennen. Dazu gehören in der Regel eine gezielte Anamnese (z. B. familiäre Belastung, Lebensstil, Medikamente), körperliche Untersuchung und Standarduntersuchungen wie Labor (u. a. Nierenwerte, Elektrolyte, Blutzucker/Diabetes, Blutfette), Urinuntersuchung (z. B. Eiweiß) sowie ein EKG; je nach Befund können weitere Untersuchungen (z. B. Echokardiografie, Ultraschall der Nieren, Augenhintergrund) sinnvoll sein.
Bluthochdruck: Folgen
Bluthochdruck bleibt – wie oben bereits genannt – häufig lange symptomlos, kann jedoch über Jahre hinweg Gefäße und Organe schleichend schädigen. Der dauerhaft erhöhte Druck belastet die Arterienwände, fördert Gefäßumbau und Arteriosklerose und erhöht damit das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Besonders betroffen ist das Herz: Es muss gegen einen höheren Widerstand arbeiten, was zu einer Verdickung des Herzmuskels (hypertensive Herzerkrankung) und langfristig zu Herzschwäche führen kann. Gleichzeitig steigt das Risiko für koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt.
Auch das Gehirn gehört zu den zentralen „Zielorganen“. Erhöhter Blutdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für Schlaganfälle (z. B. durch Gefäßverschluss oder Gefäßschädigung) und steht zudem mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für kognitive Beeinträchtigungen bis hin zu Demenz in Verbindung.
Die Nieren reagieren ebenfalls empfindlich auf chronisch erhöhten Blutdruck. Auf Dauer kann es zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zur chronischen Nierenerkrankung kommen – und umgekehrt können Nierenerkrankungen den Blutdruck weiter verschärfen.
An den Augen kann Hypertonie die feinen Gefäße der Netzhaut schädigen (hypertensive Retinopathie). Das kann sich zunächst unbemerkt entwickeln, im Verlauf aber Sehprobleme begünstigen und ist oft ein Hinweis darauf, dass auch andere Organe bereits mitbetroffen sein könnten.
Schließlich erhöhen dauerhaft hohe Werte auch das Risiko für Gefäßschäden außerhalb von Herz und Gehirn, etwa Durchblutungsstörungen in Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit) oder komplexe Gefäßkomplikationen.
Kurz gesagt: Je länger der Blutdruck erhöht ist und je mehr zusätzliche Risikofaktoren (z. B. Rauchen, Diabetes, hohe Blutfette) hinzukommen, desto größer ist das Gesamtrisiko.
Die gute Nachricht: Bluthochdruck ist gut behandelbar – und eine konsequente Senkung reduziert das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich.
Bluthochdruck: Behandlung
Ziel der Behandlung ist es das Risiko für Folgeerkrankungen (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt, Nieren- und Gefäßschäden) nachhaltig zu senken. In der Praxis ist die Therapie deshalb fast immer langfristig angelegt und wird individuell an Alter, Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und das persönliche Gesamtrisiko angepasst.
Die Basis jeder Bluthochdrucktherapie ist die Anpassung des Lebensstils. Dazu zählen insbesondere: regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Stressreduktion sowie ein gesundes Körpergewicht. Auch beim Salz gilt: Ein hoher Salzkonsum kann den Blutdruck erhöhen; als Orientierung werden nicht mehr als etwa 5 g Salz pro Tag empfohlen.
Wenn die Anpassung des Lebensstils alleine nicht ausreicht, sollten blutdrucksenkende Medikamente zur Behandlung in Erwägung gezogen werden. Als Blutdruckmedikamente gelten verschiedene Wirkstoffklassen als geeignet:
Häufig ist eine Kombinationstherapie sinnvoll, weil viele Patientinnen und Patienten mehr als ein Medikament benötigen, um den Zielbereich zu erreichen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Zielblutdruck?
Der Zielblutdruck ist der Bereich, der mit der Anpassung des Lebensstils und ggf. Medikamenten dauerhaft erreicht werden soll, um das Risiko für Folgeerkrankungen (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt) zu senken. Der Zielblutdruck ist individuell und hängt u. a. von Alter, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab. Häufig wird zunächst angestrebt, den Blutdruck unter 140/90 mmHg zu bringen; wenn gut verträglich wird auch ein geringerer Wert angestrebt.
Wie kann man Bluthochdruck vorbeugen?
Eine Vorbeugung setzt insbesondere bei den beeinflussbaren Risikofaktoren an: Dies heißt normalgewichtig bleiben, regelmäßig körperlich aktiv sein, salz- und alkoholbewusst essen/trinken, nicht rauchen und insgesamt herzgesund (pflanzenbetont, wenig stark verarbeitete Lebensmittel) leben. Zusätzlich hilft es, den Blutdruck frühzeitig und regelmäßig zu kontrollieren (z.B. bei Vorsorgeuntersuchungen oder zu Hause).
Bei welchem Blutdruck droht ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall lässt sich nicht an einem einzigen fest Blutdruckwert festmachen. Das Risiko steigt grundsätzlich kontinuierlich mit zunehmendem Blutdruck. Studien zeigen, dass Werte ab etwa 140 mmHg systolisch (und/oder deutlich erhöhte diastolische Werte) mit einem signifikant höheren Schlaganfallrisiko verbunden sind.
Akut gilt: Sehr hohe Werte (z.B. >180/120 mmHg) in Kombination mit Warnzeichen wie Brustschmerz, Atemnot, Sehstörungen, Schwäche/Taubheit, Sprachstörungen können auf einen Notfall hinweisen, sodass unverzüglich der Notruf informiert werden sollte.

