Schilddrüsenüberfunktion

Hyperthyreose

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (auch: Hyperthyreose) kann den gesamten Körper beeinflussen – denn ihre Hormone wirken wie der Taktgeber für Stoffwechsel, Kreislauf und Energiehaushalt. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Takt, kann sich dies im Alltag bemerkbar machen. Betroffene sind plötzlich unruhig und gereizt ohne die Ursache zu kennen. Im nachfolgenden Beitrag gehen wir darauf ein, welche Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion typisch sind, wie Ärzte die Diagnose stellen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Schilddrüsenüberfunktion: Ursachen

Morbus Basedow

Morbus Basedow ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion in Regionen mit ausreichender Jodversorgung. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper bildet, die den TSH-Rezeptor stimulieren (TRAK). Die Schilddrüse wird dadurch „aktiviert“, obwohl der Körper bereits über ausreichend Hormone verfügt.

Typisch ist, dass die Schilddrüse diffus vergrößert sein kann (Struma) und die Überfunktion oft relativ plötzlich oder schubweise auftritt. Häufig bestehen auslösende oder begünstigende Faktoren wie genetische Veranlagung, Stress, Rauchen oder hormonelle Umstellungen – zum Beispiel nach einer Schwangerschaft.

Ein besonderes Merkmal ist die mögliche Beteiligung anderer Organe: Einige Betroffene entwickeln eine endokrine Orbitopathie (z. B. Druckgefühl hinter den Augen, hervorstehende Augen, Lichtempfindlichkeit) oder seltener Hautveränderungen. Diese Begleiterscheinungen sind wichtig, weil sie Hinweise auf die Ursache geben und die Therapiewahl mit beeinflussen können.

Heiße Knoten (autonomes Adenom)

Heiße Knoten“ sind Schilddrüsenareale, die unabhängig von der Steuerung durch TSH Hormone produzieren. Häufig steckt ein autonomes Adenom dahinter, also ein gutartiger Knoten mit eigenständiger Hormonproduktion. Auch mehrere autonome Areale (toxische multinoduläre Struma) können verantwortlich sein.

Diese Autonomie entsteht meist über Jahre: Die Zellen verändern sich so, dass sie dauerhaft „aktiv“ bleiben. Besonders relevant ist dabei Jod: Bei bestehender Autonomie kann eine erhöhte Jodzufuhr (z. B. jodhaltige Kontrastmittel oder Medikamente) eine Überfunktion auslösen oder verstärken, weil der Knoten das Jod direkt zur Hormonbildung nutzt.

Im Unterschied zum Morbus Basedow ist die Schilddrüse hier nicht diffus vergrößert, sondern häufig knotig verändert. Die Überfunktion kann zunächst mild beginnen und sich schleichend entwickeln, weshalb sie besonders bei älteren Menschen manchmal erst spät auffällt – etwa über Herzbeschwerden oder Leistungsabfall.

Hashimoto Thyreoiditis

Hashimoto Thyreoiditis ist primär als Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion bekannt. Dennoch kann sie zeitweise eine Überfunktion verursachen – vor allem in frühen Phasen oder bei Schüben. Man spricht dann oft von einer Hashitoxikose.

Der Prozess unterscheidet sich von Morbus Basedow: Bei Hashimoto wird Schilddrüsengewebe durch Entzündungsprozesse geschädigt. Dabei können Hormone freigesetzt werden, was vorübergehend zu erhöhten Hormonspiegeln und Überfunktionssymptomen führt – ohne dass die Schilddrüse dauerhaft zu viel Schilddrüsenhormone produziert. Diese hyperthyreoten Phasen sind häufig zeitlich begrenzt und gehen später häufig in eine Unterfunktion über, wenn das hormonproduzierende Gewebe abnimmt bzw. geschädigt ist.

L-Thyroxin Überdosierung

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann auch entstehen, wenn dem Körper zu viel Schilddrüsenhormon von außen zugeführt wird – meist in Form von L-Thyroxin (Levothyroxin). Das ist eine häufige, gut erklärbare Ursache, vor allem bei Menschen, die wegen einer Unterfunktion, nach Schilddrüsenoperation oder nach Radiojodtherapie Schilddrüsenhormone einnehmen.

Eine Überdosierung kann auftreten, wenn die Dosis zu hoch angesetzt wird, sich das Körpergewicht deutlich verändert, neue Medikamente die Aufnahme beeinflussen oder wenn Tabletten unregelmäßig eingenommen und dann „kompensiert“ werden.

Wichtig ist: Bei einer L-Thyroxin-bedingten Überfunktion liegt die Ursache nicht in einer überaktiven Schilddrüse, sondern in einer zu hohen Hormonmenge im Blut. Das bedeutet auch, dass die Abklärung immer die Medikamentenanamnese einschließen sollte – inklusive Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Begleitmedikation.

Angeborene Überfunktion

Eine angeborene Schilddrüsenüberfunktion ist selten, aber medizinisch besonders relevant, weil sie bereits im Neugeborenen- oder Säuglingsalter Auswirkungen auf Wachstum, Herz-Kreislauf-System und Entwicklung haben kann.

Ein klassisches Beispiel ist die sogenannte neonatale Hyperthyreose: Wenn eine Mutter an Morbus Basedow erkrankt ist, können stimulierende Antikörper (TRAK) über die Plazenta zum Kind gelangen und dessen Schilddrüse vorübergehend antreiben. Diese Form ist meist zeitlich begrenzt, erfordert aber engmaschige Überwachung.

Seltener sind genetisch bedingte Formen, bei denen Signalwege in der Schilddrüse dauerhaft aktiv sind. In solchen Fällen ist die Überfunktion eher persistierend und braucht eine spezialisierte Diagnostik und Behandlung. Gerade bei sehr frühen Symptomen oder auffälligen Befunden im Neugeborenenscreening ist eine rasche kinderendokrinologische Abklärung wichtig.

Schilddrüsenüberfunktion: Symptome

Viele Betroffene bemerken zuerst eine innere Unruhe oder das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen. Wie stark die Symptome sind, kann dabei sehr unterschiedlich sein. Typische Symptome sind die folgenden:

  • innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit
  • Schlafstörungen, „nicht abschalten können“
  • Zittern
  • vermehrtes Schwitzen und Wärmeintoleranz
  • Herzrasen oder Herzklopfen
  • schneller Puls (auch in Ruhe)
  • erhöhter Blutdruck (oft vor allem der obere Wert)
  • Herzrhythmusstörungen (insbesondere bei älteren Menschen)
  • Gewichtsabnahme trotz normalem oder gesteigertem Appetit
  • häufiger Stuhlgang oder Durchfall
  • Muskelschwäche, vor allem an Oberarmen und Oberschenkeln (z. B. Treppensteigen fällt schwerer)
  • manchmal Haarausfall oder feiner werdendes Haar

Ergänzend hierzu geht Morbus Basedow häufig mit Augenbeschwerden einher wie:

  • trockene, gereizte Augen
  • lichtempfindliche Augen
  • Druckgefühl hinter den Augen

Da die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion unspezifisch sind, sollten bei Auftreten der o. g. Symptome eine ärztliche Abklärung erfolgen, insbesondere um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Schilddrüsenüberfunktion: Diagnostik

Ziel der Diagnostik ist nicht nur zu bestätigen, ob tatsächlich Schilddrüsenüberfunktion vorliegt, sondern auch die Ursache zu ermitteln – denn hiervon hängt die passende Behandlung ab. In der Regel werden für die Diagnostik Laborwerte und bildgebende Verfahren kombiniert.

Blutuntersuchung

Die Blutuntersuchung ist der zentrale erste Schritt der Diagnostik. Besonders wichtig ist hierbei der TSH-Wert: Bei einer Überfunktion ist TSH meist erniedrigt, weil der Körper versucht, die Schilddrüse „herunterzuregeln“. Zusätzlich werden die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 gemessen, um zu sehen, wie stark die Überfunktion ausgeprägt ist.

Typische Konstellationen sind zum Beispiel:

  • deutliche Schilddrüsenüberfunktion: TSH niedrig, fT3/fT4 erhöht
  • mögliche latente Überfunktion: TSH niedrig, fT3/fT4 normal

Um die Ursache einzugrenzen, werden häufig auch Antikörper bestimmt. Dazu zählen vor allem TRAK (Hinweis auf Morbus Basedow) sowie TPO-Antikörper oder Tg-Antikörper (häufig bei Hashimoto). Ergänzend können weitere Werte sinnvoll sein, etwa Entzündungszeichen (CRP).

Ultraschall

Der Ultraschall (Sonografie) zeigt, wie die Schilddrüse aufgebaut ist. Dabei lässt sich beurteilen, ob sie vergrößert ist, ob Knoten vorliegen und wie das Gewebe insgesamt wirkt. Außerdem kann die Durchblutung der Schilddrüse begutachtet werden.

Im Ultraschall achtet der Arzt unter anderem auf:

  • Größe der Schilddrüse (z. B. Struma)
  • Struktur des Gewebes (homogen vs. inhomogen)
  • Knoten: Anzahl, Größe, typische Merkmale
  • Durchblutung

Bei Hashimoto ist das Gewebe oft eher inhomogen und „dunkler“ (echoarm), während bei Morbus Basedow häufig eine diffuse Veränderung und eine starke Durchblutung auffallen kann.

Schilddrüsenszintigrafie

Die Schilddrüsenszintigrafie ist besonders relevant, wenn der Verdacht auf heiße Knoten besteht. Dabei wird eine geringe Menge einer radioaktiven Substanz verabreicht, die sich in der Schilddrüse anreichert. Hierdurch wird sichtbar gemacht, welche Bereiche wie aktiv sind (z.B. heiße Knoten oder kalte Knoten).

Die Szintigrafie ergänzt den Ultraschall, weil sie vor allem die Funktion der Schilddrüse zeigt. Besonders bei knotigen Veränderungen hilft sie, die Ursache der Überfunktion sicher zuzuordnen und die passende Therapie (z. B. Medikamente, Radiojodtherapie oder Operation) einzuleiten.

Schilddrüsenüberfunktion: Behandlung

Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion richtet sich immer nach der konkreten Ursache, der Stärke der Überfunktion und den vorhandenen Beschwerden. Während bei manchen Formen der Überfunktion zunächst eine medikamentöse Stabilisierung im Vordergrund steht, wird bei anderen Ursachen gezielt eine dauerhafte Lösung angestrebt, etwa durch Radiojodtherapie oder eine Operation.

Grundsätzlich verfolgt die Behandlung zwei Ziele: Zum einen sollen die Beschwerden und mögliche Komplikationen rasch reduziert werden. Zum anderen geht es darum, die Ursache so zu behandeln, dass die Überfunktion nicht wiederkehrt und langfristig Schaden anrichtet.

Medikamente

Medikamente sind häufig der erste Schritt, um eine Überfunktion zu stabilisieren. Dabei kommen vor allem sogenannte Thyreostatika zum Einsatz, die die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Auf diese Weise können die Hormone kurzfristig normalisiert werden, um die Grundlage dafür zu schaffen den weiteren Behandlungsansatz zu planen.

Zusätzlich werden oft Medikamente eingesetzt, die die Beschwerden lindern, insbesondere Betablocker. Sie können Symptome wie Herzrasen, Zittern und innere Unruhe relativ schnell reduzieren, ohne direkt in die Hormonproduktion einzugreifen. Gerade zu Beginn, wenn die Schilddrüsenhormone noch erhöht sind, können Betablocker zu einer spürbaren Entlastung führen.

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie ist eine Methode, um überaktives Schilddrüsengewebe gezielt zu behandeln. Dabei wird radioaktives Jod verabreicht, das sich vor allem in der Schilddrüse anreichert. Das überaktive Gewebe nimmt besonders viel Jod auf und wird durch die Strahlung nach und nach in seiner Funktion reduziert. Der Effekt tritt nicht sofort ein, sondern entwickelt sich über Wochen bis Monate.

Diese Therapie wird häufig bei autonomen Knoten oder einer toxischen knotigen Schilddrüse eingesetzt und kann auch bei Morbus Basedow eine Option sein, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, nicht vertragen werden oder die Überfunktion wiederkehrt. Ob eine Radiojodtherapie geeignet ist, hängt unter anderem von der Ursache, der Größe der Schilddrüse und der Aktivität des Gewebes ab.

Nach einer Radiojodtherapie kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln, weil das Schilddrüsengewebe insgesamt weniger arbeitet. Das ist medizinisch aber gut beherrschbar, bedeutet jedoch, dass anschließend Kontrollen notwendig sind und gegebenenfalls Schilddrüsenhormone ersetzt werden müssen.

Operation

Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist, wenn Knoten vorliegen die Beschwerden verursachen, oder wenn der Verdacht auf bösartige Veränderungen abgeklärt werden muss. Auch bei einer ausgeprägten Autonomie oder wiederkehrenden Überfunktionen kann eine Operation sinnvoll sein, insbesondere wenn eine schnelle, definitive Behandlung gewünscht bzw. erforderlich ist.

Je nach Befund wird ein Teil der Schilddrüse entfernt oder, in manchen Fällen, die Schilddrüse vollständig. Vor dem Eingriff wird die Überfunktion in der Regel medikamentös stabilisiert, um das Operationsrisiko zu senken. Das ist wichtig, weil eine unbehandelte Hyperthyreose den Kreislauf belastet und Komplikationen wahrscheinlicher macht.

Nach einer Operation ist die weitere Behandlung vom Umfang des Eingriffs abhängig. Häufig ist eine Hormonersatztherapie mit L-Thyroxin nötig, insbesondere nach einer vollständigen Entfernung. Regelmäßige Kontrollen helfen dabei, die richtige Dosis zu finden und langfristig stabile Werte zu erreichen.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Schilddrüsenüberfunktion gefährlich?

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann gefährlich werden, wenn sie ausgeprägt ist oder lange unbehandelt bleibt. Vor allem das Herz-Kreislauf-System wird belastet: Herzrasen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern) können auftreten und das Risiko für Komplikationen erhöhen. Zusätzlich kann es durch den beschleunigten Stoffwechsel zu Muskelabbau, Knochenschwund und allgemeiner körperlicher Erschöpfung kommen.

Was ist eine latente Schilddrüsenüberfunktion?

Von einer latenten Schilddrüsenüberfunktion spricht man, wenn das TSH im Blut erniedrigt ist, die freien Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4) aber noch im Normalbereich liegen. Der Körper zeigt damit bereits eine Tendenz zur Überfunktion, ohne dass die Hormonwerte klar erhöht sind. Manche Menschen haben in dieser Phase kaum Beschwerden, andere spüren bereits leichte Symptome.

Müssen Medikamente bei einer Schilddrüsenüberfunktion dauerhaft eingenommen werden?

Das kommt vor allem auf die Ursache an. Bei Morbus Basedow werden Thyreostatika häufig über einen längeren Zeitraum eingesetzt, um zu prüfen, ob eine stabile Phase erreicht werden kann. Bei manchen Betroffenen gelingt das, bei anderen kommt es nach Absetzen zu Rückfällen, sodass eine erneute Behandlung oder eine definitive Therapie (Radiojod oder Operation) nötig wird. Bei autonomen Knoten sind Medikamente oft eher eine Übergangslösung, um die Werte zu normalisieren, bis eine dauerhafte Therapie durchgeführt wird.

Welche Auswirkungen hat eine Schilddrüsenüberfunktion auf das Gewicht?

Viele Menschen nehmen bei einer Schilddrüsenüberfunktion ab, weil der Stoffwechsel beschleunigt ist und der Körper mehr Energie verbraucht. Oft geschieht dies trotz normalem oder sogar erhöhtem Appetit. Wie stark die Gewichtsveränderung
ausfällt, ist individuell und hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Überfunktion ist und wie lange sie besteht. Nach Beginn einer Behandlung normalisiert sich der Stoffwechsel wieder, wodurch es zu einer Gewichtszunahme kommen kann – besonders dann, wenn vorher deutlich Gewicht verloren wurde.

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