Haarausfall

Alopezie

Disclaimer: Der nachfolgende Beitrag dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und kann weder eine individuelle ärztliche Beratung noch eine ärztliche Diagnostik ersetzen. Im Falle von Beschwerden sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Haarausfall ist für viele Betroffene mehr als ein rein kosmetisches Thema: Er kann das Selbstbild beeinflussen und verunsichern – vor allem, wenn das Ausfallen plötzlich beginnt oder sichtbar zunimmt. Gleichzeitig ist Haarausfall kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Formen mit jeweils eigenen Ursachen, Verläufen und Behandlungsmöglichkeiten. Damit du weißt, wann Haarausfall noch im Rahmen normaler Schwankungen ist und wann sich eine ärztliche Abklärung lohnt, gehen wir nachfolgend auf die häufigsten Arten und Ursachen von Haarausfall ein.

Haarausfall: Ursachen

Haarausfall kann mehrere Auslöser haben und ist nicht immer „krankhaft“. Ein gewisses tägliches Ausfallen an Haaren gehört zum normalen Haarzyklus. Problematisch wird es erst dann, wenn mehr Haare als üblich in die Ruhephase (Telogenphase) wechseln und vermehrt ausfallen (telogenes Effluvium) oder wenn Haarfollikel miniaturisieren und das Haar sichtbar dünner wird.

Gerade bei diffusem Haarausfall (über den ganzen Kopf verteilt) spielen häufig Nährstoffmängel, hormonelle Veränderungen oder Stoffwechselthemen eine Rolle. Typisch sind z.B. Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen, eine hormonelle Umstellungen rund um die Schwangerschaft/Geburt sowie Wechseljahre.

Teilweise kann auch ein saisonaler Haarausfall auftreten. Studien zeigen tatsächlich eine Jahreszeitlichkeit im Haarzyklus, bei der sich der Anteil an Telogenhaaren im Jahresverlauf verändert und dadurch zeitweise mehr Haare ausfallen können (z.B. im Sommer oder Herbst).

Haarausfall durch Eisenmangel

Eisen spielt für diverse Prozesse im Körper eine wichtige Rolle – unter anderem für unterschiedliche Gewebe, die sich schnell erneuern. Bei einem Eisenmangel kann sich die auf den Haarzyklus auswirken: Häufig zeigt sich dann ein diffuses Ausdünnen bzw. ein telogenes Effluvium, bei dem mehr Haare als sonst in die Ruhephase übergehen und ausfallen.

Zur Einordnung, ob der Haarausfall durch einen Eisenmangel bedingt ist, wird oft der Ferritinwert (Eisenspeicher) betrachtet. Wichtig: Die wissenschaftliche Datenlage ist nicht in allen Studien eindeutig – der Zusammenhang zwischen Ferritin und verschiedenen Formen von Haarausfall wird teils bestätigt, teils kontrovers diskutiert. Unabhängig davon kann die Ermittlung des Ferritinwerts ein sinnvoller Baustein bei der Ursachenforschung sein, um einen bestehenden Mangel nicht zu übersehen.

Sofern ein bestehender Eisenmangel tatsächlich der Auslöser für Haarausfall ist, sollte nicht nur die Beseitigung des Eisenmangels im Fokus stehen, sondern vor allem die Ursachenermittlung des Mangels (z. B. starke Regelblutungen, Ernährung, Resorptionsprobleme). Eisensupplemente sollten nur nach Bestimmung der Blutwerte und nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden, da zu viel Eisen ebenfalls schaden kann.

Haarausfall in der Schwangerschaft

Viele Schwangere erleben anstelle von Haarausfall zunächst sogar das Gegenteil: Durch die hormonelle Situation – insbesondere höhere Östrogenspiegel – fallen oft weniger Haare aus, und das Haar wirkt voller. Das ist meist kein „mehr Wachstum“, sondern eher weniger normale Abschuppung im Haarzyklus.

Nach der Geburt kehrt sich dies dann häufig um: Wenn der Östrogenspiegel wieder abfällt, wechseln viele Haare relativ gleichzeitig in die Ruhephase. Das führt typischerweise einige Wochen bis Monate nach der Entbindung zu deutlich sichtbarem, diffusem Haarverlust (postpartales telogenes Effluvium).

Die gute Nachricht: Haarausfall nach der Schwangerschaft ist in den meisten Fällen nur vorübergehend und normalisiert sich, sobald sich der Haarzyklus wieder einpendelt hat. Wenn der Haarausfall sehr lange anhält, kahle Stellen entstehen oder Beschwerden wie starke Müdigkeit, Schwindel oder Zeichen eines Nährstoffmangels dazukommen sollte zwingend eine ärztliche Abklärung erfolgen – denn nach Schwangerschaft/Geburt können z. B. auch Eisenmangel oder Schilddrüsenveränderungen auftreten.

Haarausfall durch die Schilddrüse

Die Schilddrüse beeinflusst erheblich den Stoffwechsel und damit auch Prozesse, die für Haut und Haare wichtig sind. Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) als auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann – vor allem wenn sie ausgeprägt und länger bestehend ist – zu diffusem Haarausfall führen, bei dem das Haar insgesamt dünner wirkt.

Oft treten weitere Symptome auf wie z. B. eine trockene Haut, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit oder Zyklusveränderungen (eher bei Unterfunktion). Manche Betroffene berichten auch von dünner werdenden Augenbrauen, wobei dies nicht bei allen Betroffenen auftritt und bisher auch nicht belastbar nachgewiesen werden konnte.

Sollte der Haarausfall durch die Schilddrüse hervorgerufen werden, braucht es trotz einer Behandlung der Schilddrüse häufig Geduld, bis sich der Haarwachstum wieder normalisiert. Dies ist darin begründet, dass der Haarzyklus zeitverzögert reagiert – sichtbare Besserung kann also erst nach mehreren Monaten auftreten. Sofern also der Haarausfall und Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion oder Überfunktion zusammenkommen, sollte eine ärztliche Diagnostik (z. B. TSH, fT3 und fT4) erfolgen.

Haarausfall durch Wechseljahre

In den Wechseljahren verändert sich die Hormonlage deutlich: Östrogen sinkt, wodurch sich das Verhältnis zu Androgenen verschiebt. Das kann den Haarfollikel – ein hormonempfindliches Gewebe – beeinflussen und bei einigen Frauen zu mehr Ausdünnung, verändertem Haargefühl und geringerem Volumen führen.

Häufig tritt dann eine Form der weiblichen androgenetischen Alopezie (female pattern hair loss) auf: Die Haare werden über Zeit feiner, die Dichte nimmt ab, oft besonders im Scheitelbereich. Da in dieser Lebensphase auch andere Ursachen auftreten können (z.B. Schilddrüse, Eisenstatus), ist bei auftreten der Symptome eine saubere Diagnostik wichtig, insbesondere wenn der Haarausfall plötzlich auftritt oder sehr ausgeprägt ist.

Haarausfall: Arten

Haarausfall ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Formen – mit verschiedenen Ursachen, typischen Mustern und Behandlungsansätzen. Für einen verständlichen Überblick hilft die Einteilung nach dem Verteilungsmuster: Fallen Haare eher an bestimmten Stellen aus (z. B. am Oberkopf) oder gleichmäßig über den ganzen Kopf? Gibt es klar begrenzte, kahle Areale?

Die häufigsten Arten des Haarausfalls sind der anlagebedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie), der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) und der diffuse Haarausfall (Alopecia diffusa). Auch wenn sich die Formen teils überschneiden können, liefert diese Einteilung eine gute Orientierung dafür, was hinter dem Haarverlust stecken könnte – und wann eine dermatologische Abklärung sinnvoll ist.

Anlagebedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie)

Der anlagebedingte Haarausfall ist die häufigste Form des Haarausfalls und hat – wie der Name bereits vermuten lässt – seine Ursache in der Genetik. Bestimmte Haarfollikel reagieren empfindlicher auf Androgene (männliche Sexualhormone), wodurch sich die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Das Ergebnis ist eine Miniaturisierung: Haare werden mit der Zeit feiner, kürzer und fallen schneller aus, bis sie kaum noch sichtbar nachwachsen.

Typisch ist ein Ausdünnen in einer bestimmten Form: Bei Männern beginnt es häufig mit zurückweichendem Haaransatz und lichter werdendem Oberkopf. Bei Frauen zeigt sich eher eine scheitelbetonte Ausdünnung bei meist erhaltener vorderer Haarlinie. Das Fortschreiten geschieht oft langsam – weshalb viele Betroffene erst im Rückblick merken, wie sich Dichte und Haarstruktur verändert haben.

Als Behandlungsmöglichkeit werden häufig lokal wirkende Präparate mit Minoxidil empfohlen. Bei Männern können unter Umständen auch DHT-hemmende Medikamente infrage kommen (nur nach ärztlicher Verordnung!). Unterstützend kann auch eine Eigenbluttherapie (sog. PRP-Therapie) oder je nach Fortschritt eine Haartransplantation in Erwägung gezogen werden. Insgesamt ist eine vollständige Wiederherstellung des Ursprungszustandes – gerade bei Männern – nur schwer zu erreichen. Eine Stabilisierung des aktuellen Zustandes und ein Verdichten können bei regelmäßiger Anwendung jedoch durchaus erreicht werden.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata)

Der kreisrunde Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haarfollikel angreift. Charakteristisch sind plötzlich auftretende, klar begrenzte kahle Stellen, oft rund oder oval. Die Kopfhaut wirkt dabei häufig glatt und unauffällig, manchmal kommt es aber zu leichtem Kribbeln oder Spannungsgefühl.

Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein: Manche Menschen haben nur wenige kleine Areale, bei anderen sind größere Flächen betroffen. Typisch sind auch sogenannte „Ausrufezeichenhaare“ am Rand der Stelle (kurze abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner sind). Mitunter treten auch begleitend Nagelveränderungen (z. B. Grübchen) auf.

Als mögliche Behandlung werden bei begrenzten Stellen topische Kortikosteroide eingesetzt; bei Erwachsenen gelten Kortikosteroid-Injektionen (z. B. in die Herdränder) als gängige Option, um das Nachwachsen anzuregen. Bei schwerer Alopecia areata sind in Europa zudem gezielte JAK-Inhibitoren zugelassen, was jedoch eine regelmäßige Kontrolle durch den behandelnden Arzt erfordert.

Diffuser Haarausfall (Alopecia Diffusa)

Beim diffusen Haarausfall dünnt das Haar gleichmäßig über den gesamten Kopf aus, ohne klar begrenzte kahle Areale oder ein typisches „Muster“ wie bei der androgenetischen Alopezie. Viele Betroffene beschreiben, dass der Zopf dünner wird, der Scheitel breiter erscheint oder beim Waschen und Kämmen deutlich mehr Haare ausfallen als gewohnt.

Sehr häufig steckt ein telogenes Effluvium dahinter: Viele Haare wechseln gleichzeitig in die Ruhephase und fallen dann zeitversetzt verstärkt aus. Typische Auslöser sind körperlicher oder psychischer Stress, Fieber/Infekte, Operationen, deutlicher Gewichtsverlust, Nährstoffmängel (z. B. Eisen), hormonelle Umstellungen (z. B. nach Schwangerschaft) oder Stoffwechselthemen wie Schilddrüsenstörungen. Das Tückische bei der Diagnostik: Der Auslöser des diffusen Haarausfalls liegt oft 6–12 Wochen vor dem sichtbaren Haarausfall.

Als wichtigste Maßnahme zur Behandlung des diffusen Haarausfalls gilt es, die Ursache zu finden und diese zu behandeln – denn dann normalisiert sich der Haarzyklus in der Regel wieder, was allerdings Zeit benötigt. Seitens des Arztes wird meist nach dem konkreten Verlauf, möglichen Triggern und Begleitsymptomen gefragt und – je nach Situation – eine gezielte Labordiagnostik veranlasst. Wenn der diffuse Haarausfall sehr stark ist, länger anhält, zusätzliche Kopfhautbeschwerden auftreten oder der Haarverlust „musterartig“ wirkt, ist auch eine dermatologische Abklärung sinnvoll, um Mischformen oder andere Ursachen auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Was hilft bei Haarausfall?

Was hilft, hängt vor allem davon ab, welche Form von Haarausfall vorliegt. Bei anlagebedingtem Haarausfall kommen häufig medizinische Therapien wie topisches Minoxidil infrage; bei Männern kann je nach Situation zusätzlich eine DHT-senkende Behandlung ärztlich erwogen werden. Bei kreisrundem Haarausfall stehen je nach Ausprägung entzündungshemmende Therapien im Vordergrund, während bei diffusem Haarausfall häufig die Beseitigung des Auslösers (z. B. Infekt, Stress, Hormonumstellung) entscheidend ist.

Was fehlt dem Körper bei Haarausfall?

Nicht jeder Haarausfall bedeutet automatisch, dass ein Mangel vorliegt. Gerade bei anlagebedingtem Haarausfall steht meist die genetische Empfindlichkeit der Haarfollikel im Vordergrund. Bei diffusem Haarausfall kann jedoch ein Mangelzustand eine Rolle spielen – am häufigsten wird in der Praxis an Eisenmangel gedacht, außerdem können Zink oder Vitamin D bei bestimmten Konstellationen relevant sein. Wichtig ist: „Auf Verdacht“ hoch dosiert Nahrungsergänzungsmittel zu supplementieren ist nicht sinnvoll. Stattdessen sollte eine gezielte Diagnostik in Erwägung gezogen werden (z. B. Ferritin/Eisenstatus, Schilddrüsenwerte etc.).

Hilft Vitamin B12 bei Haarausfall?

Vitamin B12 kann dann helfen, wenn tatsächlich ein Vitamin-B12-Mangel vorliegt. Ein Mangel kann sich z. B. bei bestimmten Ernährungsformen (strikt vegan ohne Supplemente), Resorptionsstörungen oder bestimmten Medikamenten entwickeln. Wird ein Vitamin-B12-Mangel auf Basis von Laborwerten diagnostiziert, ist eine Substitution medizinisch sinnvoll – auch unabhängig vom Thema Haarausfall, weil Vitamin B12 wichtig für Blutbildung und das Nervensystem ist.

Ab wann beginnt bei Männern Haarausfall?

Anlagebedingter Haarausfall kann bei Männern grundsätzlich schon in den späten Teenagerjahren beginnen, häufig zeigt er sich aber erstmals in den Zwanzigern oder Dreißigern, wobei der konkrete Startzeitpunkt als auch der individuelle Verlauf stark genetisch bedingt ist.

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